Segelyacht mit Verkaufsschild

Wer berät uns beim Bootskauf?

Beim Kauf unserer Segelyacht waren wir an vielen Stellen unsicher: Wann lohnt es sich, bei einem Boot ein Gutachten machen zu lassen? Wie läuft der Bootskauf in Frankreich, Italien oder Spanien ab?

Zu diesen und vielen weiteren Fragen haben wir zum Glück kompetente Berater gefunden.

Hinweis: Die folgenden Tipps spiegeln nur unsere persönliche Erfahrung wider. Wir sind weder erfahrene Seebären, noch Juristen oder Bootsbauingenieure, und dies war unser erster Schiffskauf. Alle Angaben daher ohne Gewähr.

Beratung durch einen Bootsgutachter

Viele Gutachter bieten neben den klassischen Gutachten auch Kaufberatung an. Der Vorteil ist, dass man jemanden mit Bootsbau-Sachverstand an der Hand hat, der einem hilft, Schäden richtig einzuschätzen. Einige Schäden sehen schlimmer aus, als sie sind. Andere wiederum sehen harmlos aus, können aber kostspielige Reparaturen nach sich ziehen.

Wir hatten daher schon am Anfang unserer Suche Kontakt zu einem deutschen Bootsgutachter aufgenommen. Mit ihm sind wir regelmäßig die Fotos von unseren Schiffsbesichtigungen durchgegangen und haben ihm Löcher in den Bauch gefragt: Wie schlimm sind diese Risse im Gelcoat? Die Kielbolzen sind rostig – wie gefährlich ist das? Was kostet es, wenn man den Motor oder das Rigg ersetzen muss?

Gefunden haben wir unseren Gutachter auf der Website des Verbands der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen e.V. (VBS). Die Seite hat einen praktischen Filter, über den man die Sachverständigen nach Bootstyp und Spezialgebiet filtern kann. Uns war es wichtig, dass der Gutachter eine Ausbildung im Bootsbau und Erfahrung mit Reparaturen von Sportbooten und Segelyachten, oder mit Schadensgutachten für Yachtversicherungen hat. Bestimmt gibt es auch erfahrene Segler, die ordentliche Bootsgutachten erstellen – als Laien haben wir uns jedoch lieber auf eine fundierte Berufsausbildung verlassen. Das ist zwar auch keine Garantie, aber die Qualitätsaussichten sind sicherlich größer – zumindest in Deutschland. 

Durch die Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie konnten wir unseren Gutachter zwar letztlich nicht nach Spanien schicken, um das Kaufgutachten zu erstellen – er hat uns aber über Monate hinweg bei der Auswahl und beim Kauf des Bootes begleitet und steht uns auch jetzt noch mit Rat und Tat zur Seite, wenn wir Fragen zu Reparaturen haben. 

Kaufbegleitung durch einen Anwalt

Auch ein Anwalt berät beim Bootskauf, was vor allem beim Bootskauf im Ausland interessant ist, aber auch beim Kauf eines gebrauchten Bootes im eigenen Land von Vorteil sein kann. Ein Fachanwalt für Schiffs- und Wassersportrecht kann helfen, juristische Fallstricke in den Verträgen aufzudecken, und sort dafür, dass alle notwendigen Dokumente eingefordert werden.

Uns wurde die Kanzlei Uhsadel in Hamburg empfohlen. Wir haben zwar letztlich nur ein kurzes Informationsgespräch in Anspruch genommen, haben uns aber sehr gut beraten gefühlt. Das komplette Beratungspaket zum Schiffskauf hätte 2020 ca. 2.500€ gekostet. Bei Nichtzustandekommen des Kaufs hätten wir nur die Hälfte zahlen müssen.

Beratung durch Segel- und Sportbootverbände

In England bietet die Royal Yachting Association (RYA) ihren Mitgliedern kostenlose juristische Beratung beim Bootskauf. Zwar nur in allgemeinen Fragen, aber auch das ist schon eine große Hilfe. Außerdem gibt es im Mitgliederbereich der Website ausführliche Informationen zum herunterladen. Da unser Schiff in England registriert war und nach englischem Recht verkauft wurde, habe ich bei der RYA für £46 eine Mitgliedschaft für ein Jahr abgeschlossen und habe es nicht bereut.

Kaufabwicklung durch eine Agentur

Agenturen können vor allem im Ausland dabei helfen, den Kauf abzuwickeln. Sie kennen die lokalen Gepflogenheiten und können sich bei Verhandlungen mit ihren Landsleuten ggf. besser durchsetzen – vor allem wenn wir der Landessprache nicht mächtig sind.

Für den Bootskauf in Italien sind wir durch einen positiven Erfahrungsbericht im Boote-Forum auf die Agentur Wind Service aus Lignano aufmerksam geworden. Neben der Kaufabwicklung bietet Wind Service auch Schiffsgutachten und Überführungen an. Wir haben einmal kurz Kontakt aufgenommen, als wir uns für ein Schiff in Kalabrien interessierten und haben schnell und freundlich Antwort bekommen. Geschäftsführerin Simonè Saccon spricht fließend Deutsch. Ihr Partner Alessandro Chiusoli ist eingetragener Sachverständiger für Yachten.

Unterstützung durch einen Bootsmakler

Ein Bootsmakler arbeitet nicht nur für Verkäufer, sondern sucht auch für interessierte Käufer nach gebrauchten Yachten. Die meisten Boote stehen in den großen Verkaufsportalen im Internet. Es gibt aber scheinbar auch Boote, die nie in die Portale kommen, weil sie schon vorher weg sind. Ein Makler hat persönliche Kontakte in der Branche, die er nutzen kann, um solche Angebote zu finden.

Die Suche kostet nichts, da sich der Makler bei Zustandekommen des Vertrags die Provision mit dem Makler des Verkäufers teilt. Soweit die Theorie. Der von uns mit der Suche beauftragte Makler hat nicht sehr motiviert gesucht. Wir vermuten, dass dies erst ab einem gewissen Schiffswert interessant wird, da es schließlich einen Unterschied macht, ob ich mir 5% von 100.000 Euro oder von 200.000 Euro teilen muss.

Trotzdem hat der Kontakt zu einem Makler einen Vorteil: Makler haben Zugriff auf Verkaufsdaten von Schiffen – manchmal nur auf die eigenen, manchmal scheinbar auch auf die von Partneragenturen. Wir haben so Auskunft darüber bekommen, zu welchen Preisen verschiedene Modelle in den letzten zwei Jahren ausgeschrieben und schließlich verkauft worden waren. Das ist für die Preisverhandlung eine enorme Hilfe.

Einige Makler bieten auch Kaufberatung und -begleitung an, wie z. B. Michael Schmidt und Partner, oder Williams & Smithells. Wir haben dieses Angebot nicht genutzt, aber es könnte eine mögliche Alternative zur Unterstützung durch eine Agentur sein.

Beratung zum Thema Kaufcharter

Wer sich für das Thema Kaufcharter interessiert, findet im Netz den einen oder anderen Berater zum Thema. Wir hatten uns im Rahmen der Boot 2020 für ein Kaufcharter-Seminar angemeldet, das allerdings abgesagt wurde. Stattdessen haben wir uns telefonisch beraten lassen – durchaus nützlich, aber verhältnismäßig teuer.

Echte Erfahrungswerte, wie sich die Einnahmen über die Jahre tatsächlich entwickeln, in welchem Zustand eine Yacht nach fünf bis sieben Jahren Charter ist, und zu welchem Preis man sie tatsächlich verkaufen kann, haben wir von den Beratern leider nicht bekommen. Die beste Informationsquelle dafür sind natürlich die Eigner selbst. Diese findet man z. B. auf den Hausmessen der Yachthändler, oder über die Verkaufsanzeigen gebrauchter Charteryachten. Wenn man Glück hat, zeigt einem dieser ein paar Abrechnungen aus vergangenen Jahren.

Ein Gutachter, der schon viele Ankaufsgutachten für gebrauchte Charteryachten durchgeführt hat, kann einem mehr über den Zustand solcher Yachten sagen. Von einem Makler bekommt man Auskunft über die gängigen Verkaufspreise von Charteryachten und ein Gang zum Steuerberater hilft bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit.

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