Segelyacht an Land unter Persenning

Boot gekauft – und jetzt?

Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, das Boot übergeben, das Boot gehört uns. Damit wir im Sommer segeln gehen konnten, mussten wir aber noch einige Dinge organisieren.

Hinweis: Die folgenden Tipps spiegeln nur unsere persönliche Erfahrung wider. Wir sind weder erfahrene Seebären, noch Juristen oder Bootsbauingenieure, und dies war unser erster Schiffskauf. Alle Angaben daher ohne Gewähr.

Ein Name für unser Boot

Zuallererst stand die Wahl eines Namens für unser Boot auf dem Programm. Den braucht man für alle weiteren Schritte wie Registrierung, Flaggenzertifikat und Nummernzuteilung für den Seefunk.

Witzig oder philosophisch?

Wir wussten zwar, dass wir den ursprünglichen Namen nicht behalten wollten, hatten aber unsere liebe Not, einen anderen zu finden. Soll es ein humorvoller Name sein, à la „Siesta“ oder „Sea Ya“? Oder ein philosophischer wie „Carpe Diem“ oder „Seas the day“? Und in welcher Sprache?

Englisch oder deutsch?

Englisch ist so weit verbreitet, dass es schwierig ist, originell zu sein. Meistens gibt es in der Marina schon drei andere Schiffe, die auch so heißen. Deutsche Ausdrücke kann wiederum im Ausland keiner aussprechen oder verstehen (noch dazu über Funk). Und ist ein humorvoller Name nach ein paar Jahren überhaupt noch witzig?

Kurz und knackig

Zu viele Silben sollte der Name auch nicht haben, da man ihn im Funkverkehr dreimal wiederholen muss. Ein Name wie „Uijuijuijui“ oder „Irgendwasisimmer“ ist da nicht so praktisch.

Kurz soll er also sein, leicht auszusprechen, in allen Sprachen zu verstehen und nicht so verbreitet. Nemo, Luna und Bella kommen also nicht infrage, wenn man nach dieser Liste von Bootsnamen der SeaHelp-Mitglieder geht.

Am Ende haben wir uns für den Namen entschieden, der von Anfang an auf unserer Liste stand: San Blas – nach den San Blas Inseln vor Panama, als Symbol für unser Fernziel.

Registrierung bzw. Zulassung der Segelyacht

In Deutschland müssen Schiffe von weniger als 15 Metern Länge nicht registriert sein, solange sie nur in den eigenen Hoheitsgewässern unterwegs sind. In Österreich müssen alle Yachten mit Aufbauten und Wohneinrichtungen ab einer Länge von 10 Metern zugelassen werden. In der Schweiz benötigen prinzipiell alle seetüchtigen Yachten einen Flaggenschein.

Für Schiffe von mehr als 15 Metern Länge ist auch in Deutschland die Eintragung ins Seeschiffsregister Pflicht. Auch wenn man das Schiff finanziert, muss es ins Seeschiffsregister eingetragen werden, da hier dann auch die Hypothek registriert wird. Eigner ist dann die Bank.

Da wir in ausländischen Gewässern unterwegs sein werden, müssen wir unser Schiff registrieren. In Deutschland haben wir, bei einem Schiff von weniger als 15 Metern Länge, die Wahl: Entweder wir lassen das Boot freiwillig ins deutsche Seeschiffsregister eintragen, oder wir beantragen einen Internationalen Bootsschein (IBS).

Seeschiffsregister oder Internationaler Bootsschein?

In Deutschland kann man Schiffe unter 15m Länge freiwillig ins Seeschiffsregister eintragen lassen. Zuerst schien uns eine Eintragung ins Seeschiffsregister auch ganz attraktiv, da diese nicht ständig wieder erneuert werden muss. Der Internationale Bootsschein muss alle zwei Jahre erneuert werden. Wer zusätzlich ein amtliches Schiffsdokument haben möchte, braucht außerdem ein Flaggenzertifikat, das alle acht Jahre erneuert werden muss.

Die Kosten für eine Eintragung ins Seeschiffsregister sind allerdings hoch: Die Eintragung ins Seeschiffsregister Regensburg hätte uns 300 Euro gekostet (die Kosten sind abhängig vom Wert des Schiffes). Die für die Eintragung notwendige Vermessung beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) kostet 250 Euro. Die Gesamtkosten für eine Eintragung ins Seeschiffsregister liegen für unser Schiff also bei 550 Euro.

Seeschiffsregister rechnet sich erst nach über 20 Jahren

Wenn man dem die Gebühren für den IBS (20 Euro alle zwei Jahre) und das Flaggenzertifikat (88 Euro alle acht Jahre) gegenüberstellt, kommt man erst im 22. Jahr auf 550 Euro. Selbst wenn die Gebühren für die Erneuerung von IBS und Flaggenzertifikat zwischenzeitlich steigen, wird es vermutlich 18 bis 20 Jahre dauern, bis man die Kosten für eine Registereintragung erreicht hat.

Viele Eigner verkaufen ihr erstes Schiff nach einigen Jahren wieder. Entweder weil das erste zu klein war, weil sie ein anderes Revier befahren wollen, oder weil sie feststellen, dass ein Schiff mit anderen Eigenschaften besser geeignet wäre. Fürs neue Schiff werden die Gebühren für das Seeschiffsregister wieder in vollem Umfang fällig, während man bei der Kombination von IBS und Flaggenzertifikat höchstens ein paar Jahre im laufenden Gebührenzeitraum verliert.

Wo bekommt man den Internationalen Bootsschein?

Den IBS kann man derzeit bei drei Stellen beantragen: Beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC), beim Deutschen Motoryachtverband (DMYV) und beim Deutschen Seglerverband (DSV).

Beim DMYV gibt es auf Wunsch eine praktische Verlängerungsautomatik: Man erteilt dem DMYV eine SEPA Einzugsermächtigung und der IBS wird alle zwei Jahre automatisch verlängert. Beim DSV muss man alle zwei Jahre wieder ein neues Formular ausfüllen und eine neue Überweisung tätigen.

Auch der ADAC bietet eine automatische Verlängerung an, ist aber im ersten Jahr von den drei Anbietern der teuerste. Wer sein Boot beim ADAC registriert, bekommt derzeit außerdem 10% Rabatt, wenn er eine ADAC Wassersport-Kasko für sein Boot abschließt.

Das Flaggenzertifikat

Im deutschen Flaggenrechtsgesetz steht „Die Bundesflagge haben alle […] zur Seefahrt bestimmten Schiffe (Seeschiffe) zu führen, deren Eigentümer Deutsche sind und ihren Wohnsitz im Geltungsbereich des Grundgesetzes haben“.

Das Flaggenzertifikat ist ein Nachweis der Berechtigung zum Führen der deutschen Flagge. Es ist allerdings ein freiwilliges Dokument, denn eigentlich dürften dafür der IBS und der Personalausweis des Eigners ausreichen. Wozu braucht man also das Flaggenzertifikat.

Amtliches Bootsdokument

Meine Vermutung ist die, dass die Verwaltung ein (im Gegensatz zum Seeschiffsregister günstiges) amtliches Bootsdokument für Sportschiffe schaffen wollte, das den IBS ergänzt.

Wenn das Schiff im Seeschiffsregister eingetragen ist, bekommt man ein Schiffszertifikat. Dieses ist gleichzeitig ein Nachweis über die Berechtigung zum Führen der Bundesflagge. Schiffe, die nicht im Seeschiffsregister eingetragen sind, müssen beim BSH ein Flaggenzertifikat beantragen. Dieses kostet derzeit 88 Euro (2021) und muss alle acht Jahre erneuert werden.

In manchen Ländern wird das Flaggenzertifikat scheinbar eher als Bootsdokument akzeptiert, als der IBS. Das hat auch Sönke Röver bestätigt, der auf seiner Weltumsegelung erlebt hat, dass einige Inselstaaten mit dem IBS nichts anfangen konnten. Das Flaggenzertifikat ist zwar offiziell kein Eigentumsnachweis, aber es ist ein amtliches Dokument. Der IBS ist zwar amtlich anerkannt, wird aber nicht von einer Behörde ausgestellt, und sieht weniger offiziell aus.

Nachdem ich den IBS mittlerweile in den Händen halte, kann ich mir auch gut vorstellen, warum die Behörden in manchen Ländern sich nicht vorstellen können, dass das ein offizielles Dokument sein soll. Selbst mein Bonusheft vom Zahnarzt ist auf hochwertigerem Papier gedruckt.

Die Flagge

Die Nationale am Heck eines Schiffes bezeichnet den Flaggenstaat des Bootes und muss auf See wie im Hafen geführt werden. Sie kommt einem amtlichen Dokument gleich. Dies ist eine Besonderheit des Seerechts, bei dem der Rechtsstatus, vor allem auf Hoher See, grundsätzlich durch die Staatsangehörigkeit des Schiffs und nicht durch die Staatsangehörigkeit der Besatzung oder Eigners bestimmt wird (siehe Artikel 92 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen).

Viele Länder haben unterschiedliche Flaggenversionen, die für unterschiedliche Zwecke zugelassen sind: Die Version mit Wappen in der Mitte ist z.B. in vielen Ländern die offizielle Dienstflagge für Behörden (Küstenwache, Zoll etc.) und darf von Sportbooten nicht geführt werden.

Die Flagge auf einem Sportboot ist meistens die Handelsflagge, also dieselbe wie die der Handelsmarine. In manchen Ländern gibt es eine eigene Sportbootflagge, zum Beispiel in Belgien und Spanien.

In Deutschland kann das Führen der falschen Flagge mit bis zu sechs Monaten Gefängnis bzw. 180 Tagessätzen Bußgeld geahndet werden. Zumindest auf der Ostsee wird das auch kontrolliert, wie das Magazin Stern im Sommer 2020 berichtet.

Da im Fachhandel oft alle möglichen Versionen angeboten werden, ist es sinnvoll, sich vorher bei der zuständigen Behörde oder dem Seglerverband des jeweiligen Landes zu informieren, welches die korrekte Seeflagge für Sportboote ist.

Beispiele für die zivilen Seeflaggen einiger Länder:

  • In Deutschland führen Sportboote die schwarz-rot-goldene Bundesflagge ohne Bundesadler. Die Flagge mit Bundesadler ist Behörden vorbehalten.
  • Auch in Österreich wird die Bundesflagge (rot-weiß-rot) ohne Bundesadler geführt.
  • Die Schweizerflagge zur See sieht aus wie die Nationalflagge, ist aber rechteckig (die Nationalflagge ist quadratisch).
  • Die kroatische und die slowenische Seeflagge haben ebenfalls ein anderes Seitenverhältnis als die Nationalflaggen (2:3 statt 1:2).
  • Bei der französischen Seeflagge (Pavillon) ist der blaue Streifen schmaler, da dieser sonst durch eine optische Täuschung breiter wirken würde als die anderen beiden Streifen.
  • Die italienische Seeflagge trägt im Gegensatz zur Nationalfahne ein Wappen im weißen Streifen. Achtung: Dieses ist dem Wappen der Kriegsmarine sehr ähnlich (die Flagge der Kriegsmarine hat über dem Wappen noch eine Krone).
  • Luxemburg hat eine Seeflagge für Schiffe, die ins luxemburgische Seeschiffsregister eingetragen sind.
  • Im Vereinigten Königreich, Australien und Neuseeland wird von Sportbooten der Red Ensign (rote Flagge mit Union Jack im linken Obereck) geführt.
  • Die maltesische Seeflagge mit dem Malteserkreuz auf rotem Grund wurde eingeführt, weil die maltesiche Nationalflagge sonst mit der Signalflagge H des Flaggenalphabets verwechselt werden könnte.
  • Spanien und Belgien haben eine eigene Seeflagge für Sportboote.
  • In Finnland gibt es eine Seeflagge für Mitglieder von Yachtclubs, die z. T. zusätzlich das Club-Wappen im linken Obereck führen.

Als Gastlandflagge wird ebenfalls die bürgerliche Seeflagge des jeweiligen Landes gefahren.

Die Europaflagge wird in einigen EU-Ländern von Behörden zusätzlich zur jeweiligen Dienstflagge geführt. Als alleinige Flagge am Heck darf sie nicht geführt werden, ebensowenig inoffizielle Versionen wie die Bundesflagge mit Europaflagge im linken Obereck. In Wimpelgröße unter der Backbordsaling geführt, wird aber wohl niemand etwas dagegen haben.

Die genannten Seeflaggen im Überblick

Welche Größe sollten die Flaggen haben?

Die Flaggen sollten von der Größe her zur Größe des Schiffs passen. Als Faustformel für die Nationale gibt boat24.de „ein Zwölftel der Schiffslänge“ an. Die Royal Yachting Association hatte früher dieselbe Faustformel (1 Zoll pro Fuß Schiffslänge / 1 Fuß = 12 Zoll). Für die modernen, wuchtigeren Yachten empfiehlt die RYA mittlerweile etwas größere Maße, z.B. 1 1/4 yard (ca. 114cm) für Schiffe zwischen 35 und 42 Fuß, 1 1/2 yard (137cm) für 43 bis 50 Fuß. Die Gastlandflagge sollte etwa halb so groß sein wie die Nationale.

Es gibt meines Wissens kein Gesetz, dass die Flaggengröße vorschreibt, aber irgendwo in diesem Bereich sollte sich die Nationalflagge wahrscheinlich bewegen, damit sie optisch mit der Bootsgröße harmoniert. Ein 7m-Schiff sieht schließlich mit einem Bettlaken genauso albern aus wie eine 60-Fuß-Yacht mit einer Flagge in Taschentuchgröße. Wir haben uns am unteren Ende der Skala orientiert und für unser Schiff (Rumpflänge 12,59m) die Nationale in der Größe 100cm x 70cm, die Gastlandflaggen in der Größe 45cm x 30cm bestellt.

Funklizenz (Ship Station License)

Damit wir eine Seefunkanlage an Bord betreiben dürfen, müssen wir bei der Bundesnetzagentur die Zuteilung eines Rufzeichens und einer MMSI (Maritime Mobile Service Identity) beantragen. Wenn das Schiff vorher im gleichen Land registriert war, kann man die Nummern vom Voreigner übernehmen. Da unser Schiff bisher in England registriert war, geht das leider nicht, denn jedes Land hat seine eigene Maritime Identification Digit (die ersten drei Ziffern der MMSI).

Funkgerät, AIS und EPIRB neu programmieren

Damit die MMSI vom Funkgerät, AIS und EPIRB automatisch gesendet werden kann, müssen wir diese in die Geräte einprogrammieren lassen. Bei der Erstprogrammierung von neuen Geräten kann man das selbst machen, bei einer Umprogrammierung geht das meistens nicht. Wir mussten die Geräte zum jeweiligen Hersteller einsenden, der dann die neue Nummer einprogrammiert.

Die Kosten für die Umprogrammierung sind je nach Hersteller unterschiedlich:

  • Simrad Funkgerät: 60 Euro
  • Raymarine AIS: 110 Euro
  • Kannad EPIRB: 30 Euro

Dazu kam der Arbeitsaufwand für die Werft vor Ort, da wir uns, wegen der Corona-Reisebeschränkungen, nicht selbst um Ausbau/Einbau und Versand kümmern konnten.

Nächste Schritte

Der Gutachter hatte einige Dinge festgestellt, die wir richten lassen wollten, bevor wir in See stechen. Wir dachten, damit sei es getan, aber leider hat der Gutachter nicht alle Defekte gefunden. Da ich noch arbeite und das Schiff in Spanien zu weit weg ist, um öfter mal am Wochenende hin zu fahren, haben wir Handwerker vor Ort mit den Reparaturen beauftragt. Was alles repariert werden musste, lest ihr im nächsten Artikel.

Hier sind die Links aus dem Text nochmal aufgelistet:

Bootsnamen

Registrierung

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

UK:

Spanien:

Sonstiges

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