Borddurchlass

Gebrauchtboot besichtigen: So gehen wir vor

Rostige Kielbolzen, Haarrisse im Gelcoat, Wasser in der Bilge: Auf einer gebrauchten Segelyacht sind Makel wie diese keine Seltenheit.

Je nachdem, was die Ursachen sind, kann aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein größeres Refit-Projekt werden. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, vor dem Kauf ein Gutachten über den Zustand der Segelyacht erstellen zu lassen. Ein Kaufgutachten kostet jedoch 1.000 bis 2.000 Euro (je nach Schiffsgröße und Dauer der Anreise). Wir wollten uns daher sicher sein, dass es sich auch lohnt, dieses Geld auszugeben. Schiffe, die aufgrund ihrer Mängel von Haus aus nicht in Frage kommen, wollten wir gleich ausschließen.

Hinweis: Bei der Inspektion einer Segelyacht kann man sich verletzen – vor allem im Bereich des Motors. Bitte tragt entsprechende Kleidung, erkundigt euch über notwendige Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Haare zusammenbinden, Schmuck ablegen) und haltet die Inspektionsklappen für Motor und Getriebewelle immer geschlossen, wenn der Motor läuft. Wir sind erfahren im Umgang mit Werkzeug und Motoren, und übernehmen keine Haftung für Schäden und Verletzungen, die durch das Nachmachen unseres Vorgehens oder unsere Tipps entstehen.

Einen Überblick über die Modellvielfalt bekommen

Bevor wir anfingen nach Mängeln zu schauen, wollten wir erstmal herausfinden, ob ein Modell überhaupt für uns in Frage kommt. Fühlen wir uns darauf wohl? Wie gut erfüllt es unsere Kriterien? Raumgefühl und Größenverhältnisse kann man anhand von Fotos schlecht beurteilen.

Bei dieser Art von Besichtigung war es uns nicht so wichtig, ob das Schiff auch über die gewünschte Ausstattung verfügt, oder preislich im Rahmen ist – Hauptsache, es lag nicht so weit entfernt. Um interessante Modelle zu entdecken, lohnt sich übrigens auch ein Hafenspaziergang – so gewinnt man einen ersten Eindruck und findet oft auch zum Verkauf stehende Schiffe. Die Stege der meisten Marinas sind für die Öffentlichkeit gesperrt, aber in manchen Häfen gibt es auch eine öffentlichen Mole. Auch im Charterurlaub lohnt es sich, an den Stegen entlang zu laufen und nach Verkaufsschildern Ausschau halten.

Im italienischen Aprilia Marittima findet jedes Jahr an den letzten beiden Oktoberwochenenden die Gebrauchtbootmesse Nautilia statt. Auf dem Gelände der Trockenmarina Cantieri di Aprilia stellen die ortsansässigen Makler über 200 Motor- und Segelboote aus, die man hier im Trockendock besichtigen kann – also auch unterhalb der Wasserlinie!

Die aktuellen Cruiser-Modelle von Bavaria hat sich seit 2012 nicht wesentlich verändert. Yachten Meltl in Bernau am Chiemsee hat immer einige Modelle in der Ausstellung. Yachten Meltl vertreibt außerdem Dufour, Nautitech Katamarane und den Kleinkreuzer Bente 24. Im gleichen Gebäude nebenan findet man aktuelle Yachten von Hanse und Dehler. Die Hausmesse von Yachten Meltl findet meistens am ersten Adventswochenende statt. Auf der „Boatshow Bernau“ trifft man neben diversen Zubehör-Ausstellern auch manchmal auf Eigner, die ihre Yachten im Kaufcharter-Programm von Pitter Yachtcharter laufen haben. Pitter Yachting selbst ist auch oft vor Ort und berät zum Thema Kaufcharter bzw. Yachtinvest, wie es bei Pitter heißt.

Kommt das Schiff für den Kauf in Frage?

Als wir wussten, welche Modelle für uns in Frage kommen, haben wir gezielt Segelyachten dieses Typs in den Verkaufsportalen herausgesucht und Besichtigungstermine vereinbart. In Kroatien wurden zu der Zeit sehr viele Sun Odyssey 42i angeboten – ein Modell, das auf Platz 3 unserer Wunschliste stand. Also sind wir an einem verlängerten Wochenende nach Kroatien gefahren und haben drei Schiffe besichtigt. Davor hatten wir im Griechenland-Urlaub schon verschiedene Bavaria- und Jeanneau-Yachten besichtigt.

So ein Schiff schauen wir uns sehr genau an. Wenn es in die engere Wahl kommen könnte, brauchen wir für eine Besichtigung schon mal vier Stunden. Wenn das Schiff in einem sichtbar schlechten Zustand ist, sind wir auch schneller wieder von Bord.

Wir hatten das Glück, dass wir meist alleine gelassen wurden (oder der Makler hat sich ins Cockpit gesetzt während wir geschaut haben). Dadurch konnten wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchten, um uns alles genau anzuschauen – Zeit zum Fragen stellen ist hinterher auch noch.

Fotos, Fotos, Fotos

Wenn ich mir mehrere Segelyachten kurz hintereinander anschaue, kann ich mich ohne Fotos nach ein paar Tagen nicht mehr erinnern, bei welchem Schiff welches Detail wie ausgesehen hat. Vor allem, wenn es sich bei allen Schiffen um das gleiche Modell handelt. Bei welchem Schiff stand das ölige Wasser in der Bilge? Welches war das mit dem verbogenen Bugkorb? Deshalb mache ich mir Notizen zu jedem Schiff, aber vor allen Dingen mache ich Fotos. Alles, was mir positiv oder negativ auffällt wird fotografiert. Wir haben diese Fotos außerdem im Anschluss an die Besichtigung unserem Gutachter gezeigt, der uns geholfen hat, die Bedeutung der Schäden einzuschätzen.

Detailaufnahmen in hoher Auflösung sind großartig um einen Schaden genau beurteilen zu können. Hinterher weiß ich allerdings oft nicht mehr, an welcher Stelle dieses Detail war. Deshalb mache ich von jeder Stelle zusätzlich eine Aufnahme auf der ich die Umgebung der Schadstelle sehen kann. Das ist auch für den Gutachter hilfreich, der ja nicht selbst mit dabei war.

Was wir, unabhängig vom Zustand, immer fotografieren sind die Bilge, Kielbolzen, Stopfbuchse, Getriebe und Motor. Um den Motor von allen Seiten gut belichtet zu bekommen, öffnen wir rundherum alle Klappen. Besonders dunkle Stellen leuchten wir zusätzlich mit einer starken Taschenlampe an.

Werkzeug für die Bootsbesichtigung

Dieses Werkzeug nehmen wir zu jeder Besichtigung mit:

  • Maßband und Meterstab
  • Lichtstarke Kamera oder Smartphone
  • Starke Taschenlampen mit möglichst breitem Lichtkegel (jeder eine)
  • Gummihammer oder Schraubenzieher
  • Fernglas für die Rigg-Inspektion
  • Die Verkaufsanzeige des Schiffs, um darauf Notizen zu machen (alle Fragen, die man an den Voreigner, Makler oder später an den Gutachter hat gleich aufschreiben!)

Gebrauchtboot-Inspektion in 11 Schritten

Nach und nach haben wir bei den Bootsbesichtigungen ein System entwickelt, damit wir nichts vergessen. Die folgende Checkliste ist daraus entstanden. Die Reihenfolge ist von Schiff zu Schiff immer etwas anders, aber diese Punkte gehören bei einer Besichtigung immer dazu:

1. Unterwasserschiff

Wenn das Schiff an Land steht, schauen wir uns erst das Unterwasserschiff an.

  • Sind Blasen am Rumpf zu sehen? (ggf. seitlich anleuchten)
  • Gibt es einen Spalt zwischen Rumpf und Kiel? Dort kann Wasser eindringen (Kielbolzen auf Rost untersuchen)
  • Sind Rost-Tränen unterhalb der Rumpf-Kiel-Verbindung zu sehen?
  • Wie rostig ist der Kiel? (ggf. Sandstrahlen nötig)
  • Wieviel Spiel ist im Ruder? (Kabel müssen evtl. nachgezogen oder gewechselt werden)
  • Ist das Gelcoat des Ruders unbeschädigt oder hat es Löcher? Dann ist vielleicht Wasser ins Laminat eingedrungen – Gelcoat muss runter, Laminat trocknen und ggf. ausbessern, Gelcoat wieder drauf (ggf. auch Epoxy)
  • Wie sehen die Borddurchlässe aus? Haben sie rote bzw. rosa Flecken (Entzinkung)? Dann müssen sie wahrscheinlich getauscht werden.
  • Hat das Schiff einen Wellenantrieb? Hat die Welle Spiel? Dann muss evtl. das Wellenlager getauscht werden.

2. Bodengruppe und Bilge

Liegt das Schiff im Wasser, fangen wir mit der Besichtigung unter Deck an. Dort öffnen wir als erstes die Bodenbretter und schauen uns die Bilge an.

  • Hat sich an der Unterseite der Bodenbretter Kondenswasser gesammelt? Im Schiff ist es zu feucht (Wasser in der Bilge? Schimmel?)
  • Steht Wasser in der Bilge? Ist es salzig?* Könnte es aus dem Salzwasserkreislauf des Motors kommen?
  • Sind irgendwo Salzkristalle zu sehen?
  • Sind die Schlauchanschlüsse an den Seeventilen mit zwei Schellen gesichert?
  • Sind die Schläuche spröde?
  • Haben die Seeventile bzw. Borddurchlässe rosa Flecken oder hängen weiße Flocken dran? (rosa Flecken: Zeichen von Entzinkung – Teil muss ersetzt werden; weiße Flocken: galvanische Korrosion durch Elektrolyse)
  • Lassen sich die Seeventile leicht öffnen und schließen?
  • Fühlt sich die Oberfläche der Bilge ölig an? Wie ist das Öl dort hinein gekommen?
  • Ist der Fuß der Maststütze rostig? Blick nach oben: Sind Wasserspuren oben an der Verkleidung der Maststütze zu sehen?
  • Sind die Kielbolzen rostig? Detail-Fotos machen!
  • Sind die Platten bzw. Unterlegscheiben der Kielbolzen ebenfalls rostig?
  • Ist das Laminat vor oder hinter dem ersten Kielbolzen eingedrückt, oder gibt es Anzeichen einer Reparatur? Dann könnte eine Grundberührung stattgefunden haben.

WICHTIG: Im Bilgenwasser könnten unter anderem Kühlmittel vom Kühlschrank oder Frostschutzmittel vom Motor enthalten sein. Ich habe keine Ahnung, ob diese Chemikalien einem Menschen schon in geringen Mengen schaden können.

Alle Segler, die ich bisher getroffen habe, schienen keine Bedenken zu haben, den Finger ins Bilgenwasser zu stecken und zu probieren. Daher habe ich es auch einfach gemacht. Am besten nur geringe Menge an die Zunge tupfen, und vorher eine Schale mit Süßwasser bereitstellen, um im Fall der Fälle die Zunge gleich spülen zu können. Nachmachen auf eigene Gefahr!

Außerdem: Finger vorher gründlich mit Süßwasser waschen, damit kein Salz vom Schweiß mehr auf der Haut ist.

Die Rumpf-Kiel-Verbindung

Der Kiel ist, neben dem Rigg, der wichtigste Stabilisator einer Segelyacht. Im Gegensatz zum Mastbruch, kentert eine Segelyacht, die den Kiel verliert, in der Regel sofort (wobei es auch ermutigende Außnahmen gibt). Es passiert zwar scheinbar selten, dass ein Kiel ohne Einwirkung von außen einfach abfällt – trotzdem lösen rostige Kielbolzen (die eigentlich keine Bolzen, sondern Maschinenschrauben oder Gewindestangen sind) bei uns immer ein mulmiges Gefühl aus.

Es wäre weniger beunruhigend, wenn man die Bolzen probehalber einfach mal herausdrehen könnte, aber daraus kann leicht eine größere Aktion werden: Wenn z. B. ein Bolzen bricht, weil er tatsächlich durchgerostet ist, und die eine Hälfte im Kiel stecken bleibt. Oder, wenn sich herausstellt, dass der Rost tatsächlich von einer undichten Rumpf-Kiel-Verbindung kommt und nicht „nur“ vom Bilgenwasser. Leider wird sich wohl kein Verkäufer darauf einlassen, diesen Test vor dem Verkauf durchzuführen.

Wenn der ganze Kielbolzen von außen rostig ist, kann man leider nicht erkennen, wie tief der Rost geht (außer theoretisch durch Röntgen). Vielleicht ist der Rost nur oberflächlich, vielleicht ist der Bolzen aber auch schon fast durchgerostet. Bei manchen Schiffen haben die Eigner die Bolzen unter einer dicken Schicht Topcoat versteckt. Das soll vor Rost schützen, der durch Bilgenwasser entsteht. Leider bekommt man dann auch nicht mit, wenn der Bolzen von außen Wasser zieht und langsam durchrostet.

Muss der Kiel ab, kann es teuer werden. Schäden von Grundberührungen müssen meistens aufwendig nachlaminiert werden. Hinweise darauf sind gerissene oder eingedrückte Stellen im Laminat vor oder hinter dem Kiel. Von innen kann man diese oft ganz gut erkennen, von außen sind sie machmal durch das Antifouling überdeckt.

Ein Gutachter hat schon viele Bodengruppen und rostige Kielbolzen gesehen, und kann eher einschätzen als wir, ob der Rost problematisch ist. Deshalb haben wir immer Detailaufnahmen von den Kielbolzen (und im Zweifel der ganzen Bodengruppe) gemacht, und diese hinterher unserem Gutachter gezeigt. Hundertprozentig ausschließen kann auch der eine Durchrostung nicht, deshalb ist es wichtig, dass man im Fall der Fälle eine möglicherweise notwendige Sanierung mit einkalkuliert.

3. Motorraum

Nach der Bilge öffnen wir den Niedergang und alle seitlichen Klappen und schauen uns den Motor genau an:

  • Steht öliges Wasser in der Motorbilge?
  • Wie rostig sind der Motor, Getriebe, Antriebswelle?
  • Wie sieht die Stopfbuchse oder der Saildrive-Anschluss aus?
  • In welchem Zustand sind die Lager, auf denen der Motor sitzt? Um diese auszuwechseln, muss der gesamte Motorblock angehoben werden.
  • Motorölstand kontrollieren: Zu viel? Zu wenig? Ist es milchig?
  • Ist genügend Kühlflüssigkeit im Ausgleichsbehälter? Wenn zu wenig Kühlflüssigkeit im Motor ist, kann das böse Folgen haben.
  • Schwimmen Fettaugen auf der Flüssigkeit? Dann könnte die Zylinderkopfdichtung hinüber sein.
  • Sehen die Schläuche spröde aus?
  • Sind die Schlauchanschlüsse mit zwei Schellen gesichert?

Wenn das Schiff im Wasser liegt und der Makler einverstanden ist, kann man ihn bitten, den Motor kurz zu starten. Falls Wasser in der Motorbilge steht, diese am besten vorher trocken wischen. Dann stellt sich einer oben in die Nähe des Auspuffs und beobachtet die Abgase (raucht es?, wie lange?, welche Farbe?) und der andere steht unter Deck und horcht, ob der Motor komische Geräusche von sich gibt. Wenn der Motor wieder aus ist, nachschauen, ob jetzt Wasser in der Motorbilge steht. Achtung: Bei laufendem Motor immer den Niedergang und alle Inspektionsklappen für Motor und Antriebswelle schließen: Wenn Haare, Schmuck oder Hände in den Keilriemen oder die Antriebswelle kommen, sind die ab!

Die Sache mit den Betriebsstunden

Die Betriebsstunden sind ein Indikator für den Zustand des Motors: Ist der Motor zu wenig gelaufen, könnten Standschäden vorhanden sein. Ist er zuviel gelaufen, nähert er sich vielleicht schon dem Ende seiner Lebenszeit, oder er muss demnächst für viel Geld überholt werden.

Das Problem ist, dass der Stundenzähler auf vielen Segelyachten nicht stimmt, oder dass gar keiner vorhanden ist. Scheinbar passiert es häufiger, dass der Betriebsstundenzähler kaputt geht, und ersetzt werden muss. Der neue fängt dann wieder bei Null an zu zählen. Die in den Verkaufsanzeigen angegebenen „Schätzwerte“ sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Der Manager einer Charterbasis hat uns folgende Faustregel verraten: Bei einem privat genutzten Schiff muss man pro Saison etwa 80 Motorstunden rechnen, bei einer Charteryacht etwa 400-450 Stunden. Dazu kommt, dass ein Charterschiff nicht nur viel unter Maschine gefahren wird, sondern auch oft nicht gerade motorschonend. Bei einem Privateigner wiederum können Standschäden entstehen, wenn er nur wenige Wochen im Jahr am Schiff ist.

Da es unmöglich ist zu wissen, wie mit dem Motor umgegangen wurde, haben wir den Betriebsstunden daher nicht zu viel Beachtung geschenkt. Wichtiger ist, dass der Motor beim Gutachten gründlich geprüft wird, z. B. durch einen Kompressionstest und Analysen von Getriebe- und Motoröl.

4. Elektrik

Kabel verlegen, ist eine teure Angelegenheit, daher schauen wir uns den Zustand der Elektroinstallation genau an. Außerdem wollen wir gerne so autark wie möglich sein – Solarpaneele oder andere Stromerzeuger müssten wir also extra kaufen, wenn noch nichts dergleichen installiert ist.

  • Funktionieren alle Lampen und Systeme?
  • Sind die Kontakte der Batterien sauber?
  • Wie alt sind die Batterien und wieviel Ampèrestunden haben sie?
  • Spannung bzw. Zustand mit einem Multimeter oder Batterietester messen (wenn vorhanden)
  • Sind die Kabelverbindungen korrodiert?
  • Passt der Kabelquerschnitt zum angeschlossenen Gerät bzw. zur Länge des Kabels?
  • Wenn im Vorschiff ein Bugstrahlruder installiert ist: Wie sieht die Sicherung und Verkabelung aus?
  • Wenn Solarpaneele vorhanden sind: Reichen die angegebenen Wattpeak um autark zu sein, oder dienen sie nur der Ladeerhaltung? Wieviel Leistung bringen sie tatsächlich (messen)?
  • Gibt es einen Wechselrichter und welche Leistung hat er?

5. Luken und Fenster

Die Qualität von Fenstern und Luken ist ein Sicherheitsfaktor. Ersatzteile sind entsprechend teuer: Ein neues Seitenfenster kostet mindestens 250 Euro, eine neue Luke in der Standardausführung zwischen 600 und 1.000 Euro, 5 Meter Dichtungsgummi etwa 80 Euro, ein Verdunkelungsrollo 150 bis 250 Euro. Wir schauen also nicht nur aus Sicherheitsgründen ob die Luken und Dichtungen noch in Ordnung sind.

  • Sind an den Luken alle Verdunklungen und Moskitonetze intakt?
  • Sehen die Dichtungsgummis spröde aus?
  • Sind die Scheiben intakt?
  • Funktionieren alle Hebel?
  • Tropft es von den Fenstern und Luken, oder gibt es darunter Spuren von Wasser (z. B. helle Flecken auf dem Holz)?

6. Verkleidungen, Sitzbänke und Kojen

Bei vielen alten Booten sind die Sitzpolster durchgesessen und die Stoffe zerschlissen. Diese zu ersetzen kostet einige Tausend Euro. Aber uns interessiert auch das, was hinter und unter diesen verborgen ist. Hier befinden sich die Frischwasserinstallation, die Batterien, Kabelstränge und vieles mehr.

  • Wie stark sind die Polster verschlissen oder durchgesessen? Müssen sie ersetzt werden?
  • Sind die Polster feucht? (dann ist es im Schiff zu nass – nach Schimmel Ausschau halten)
  • Hinter den Bänken sind auf manchen Schiffen die Unterwanten angeschlagen. Gibt es hier Zeichen von Korrosion?
  • Funktionieren die Druckwasserpumpen?
  • Leckt der Boiler oder die angeschlossenen Schläuche, wenn man das Wasser aufdreht?
  • Haben die Holzteile schwarze oder verrottete Stellen?
  • Gibt es oben oder unten an der Maststütze Wasser- bzw. Rostspuren?

7. Schränke und Türen

Die Inneneinrichtung der meisten gebrauchten Segelyachten hat Schrammen und Kratzer unterschiedlichen Ausmaßes. Aber Beschädigungen an Möbeln können auch Hinweise auf größere Probleme geben:

  • Klemmen die Türen? Das könnte auf einen verformten Rumpf hinweisen.
  • Gibt es in den Schränken Hinweise, dass dort mal Wasser gestanden hat – besonders in der Nähe der Rumpf-Deck-Verbindung (Salzkristalle, weiße oder dunkle Flecken)? Dies könnte auf eine undichte Rumpf-Deck-Verbindung hinweisen.

8. Pantry

Auch die Pantry birgt einige Überraschungen:

  • Sind die Gasschläuche am Herd spröde? (Im Cockpit kontrollieren wir dann auch die Gasschläuche an den Flaschen)
  • Unter der Spüle Schläuche, Anschlüsse und Seeventile kontrollieren.
  • Funktioniert der Kühlschrank bzw. die Kühlbox?
  • Wie sieht das Dichtungsgummi am Deckel der Kühlbox aus?
  • Ist das Kühlaggregat zu sehen? Sieht es korrodiert aus?

9. Bad

  • Riecht es nach Schimmel oder Fäkalien?
  • Kommt man leicht an die Seeventile heran?
  • Sind die Seeventile korrodiert?
  • Lassen sich die Seeventile leicht öffnen und schließen?
  • Sehen die Schläuche spröde aus?
  • Sind die Schlauchverbindungen mit zwei Schellen gesichert?

10. An Deck

Jedes ältere Schiff hat Haarrisse und Stellen mit abgeplatzem Gelcoat. Das kann man in der Regel gut reparieren. Aufwändiger wird es, wenn der Schaden bereits zur Delamination geführt hat. Das wird spätestens der Gutachter herausfinden, aber deutliche Delamination kann man auch selbst erkennen.

  • Ist das Laminat irgendwo gebrochen, oder gibt es Schrammen oder Risse, die bis ins Laminat gehen?
  • Das Deck klopfen wir in der Nähe von Beschlägen, Macken oder Rissen mit dem Griff eines Schraubenziehers oder einem Gummihammer vorsichtig ab. Klingt es irgendwo hohl oder dumpf im Vergleich zum restlichen Deck?
  • Gibt das Deck beim Gehen irgendwo nach?
  • Ist die Fußleiste überall fest?
  • Wie sieht das Teak aus? Haben sich einige Latten schon gelöst? Kommen die Fugen schon heraus? Sind noch alle Stopfen auf den Schraubenköpfen? Ist unter dem Teak eine Schicht Sperrholz? Eine Sanierung des Teakdecks ist sehr aufwändig und teuer.
  • Sitzen der Bugkorb und die Heckkörbe fest oder sind sie locker?
  • Wie rostig ist der Relingsdraht? Ist die Kunsstoffummantelung schon so hart, dass sie abbricht?
  • Sind die Winschen schwergängig?
  • Fühlt es sich an, als wäre Spiel in der Lenkung?
  • Bei zwei Steuerständen: Wenn man an einem dreht, reagiert das andere Steuerrad gleichzeitig?

11. Rigg

Schließlich schauen wir uns noch das Rigg an – wenigstens das, was von Deck aus zu sehen ist. Ein Fernglas hilft bei der Inspektion des oberen Bereichs (wir haben unseres jedes Mal im Auto vergessen).

  • Sind die Beschläge irgendwo verbogen?
  • Sind die Wanten- und Stagspanner korrodiert?
  • Sind an den Wanten und Stagen rauhe Stellen oder sind einzelne Drähte gerissen?

Wenn wir bis hierhin gekommen sind, ohne die Flucht zu ergreifen, kontrollieren wir zum Schluss noch die Zubehörliste aus der Verkaufsanzeige auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Wenn man das Schiff später tatsächlich kauft, ist es sinnvoll diese bei der Übergabe nochmal kontrollieren (es soll schon vorgekommen sein, dass Zubehör auf mysteriöse Weise verschwunden ist).

Besichtigung durch einen Gutachter

Während der Corona-Pandemie war es zum Teil nicht möglich, Schiffe vor Ort zu besichtigen, da man entweder gar nicht ins Land durfte, oder bei der Rückkehr jedes Mal zwei Wochen in Quarantäne gemusst hätte. Manchmal ist das Schiff aber auch so weit weg (Karibik, USA, Australien), dass es unsinnig wäre, eine so weite Reise auf sich zu nehmen, so lange man nicht mehr über das Boot weiß.

Eine Möglichkeit ist es dann, einen Gutachter oder Berufsskipper, der in der Nähe des Schiffes lebt, zur Besichtigung zu schicken und viele Fotos machen zu lassen. Das kostet zwar extra, spart aber eigene Reisekosten und unter Umständen die höheren Kosten für ein volles Gutachten, falls das Schiff doch nicht in Frage kommt. Bevor man das Schiff kranen darf, muss man sich außerdem oft bereits vertraglich binden. Mehr dazu kommt im Artikel Vorvertrag und Kaufvertrag beim Gebrauchtbootkauf.

Virtuelle Besichtigungen

Einige Makler bieten mittlerweile virtuelle Besichtigungen per WhatsApp Video-Chat an. Dabei ist der Maker oder Eigner vor Ort und filmt alles, was man sehen will. Prinzipiell keine schlechte Idee, aber unsere Erfahrungen damit sind eher schlecht: Entweder wackelt das Bild zu stark, es geht alles zu schnell, oder es ist zu dunkel. Wenn es gut gemacht wird, reicht ein Video-Chat um einen ersten Eindruck zu bekommen. Für Details ist der Video-Chat aber total ungeeignet und kein Ersatz für eine echte Besichtigung vor Ort. Sagt dem Makler lieber, was er fotografieren soll und bittet um hochauflösende, gut belichtete Bilder von diesen Stellen (Bilder nicht per WhatsApp schicken lassen, da die Bilder dann zu stark komprimiert werden. Besser WeTransfer o. ä. benutzen).

Ergebnisse auswerten

Nach einer Besichtigung sichten wir alle Bilder und notieren uns evtl. noch weitere Fragen. Dann laden wir die Bilder mit den kritischen Stellen auf unsere Website hoch, schreiben Bemerkungen dazu, und teilen den Link mit unserem Gutachter. Der schaut sie sich an und im Anschluss besprechen wir die Schiffe mit ihm. Auf diese Weise haben wir einiges über die Schäden an gebrauchten Booten gelernt, und wir konnten einige Schiffe ausschließen, ohne Geld für ein volles Gutachten vor Ort ausgeben zu müssen. Braucht man dann überhaupt noch ein volles Gutachten? Ja, auf jeden Fall! Mehr dazu bald im Artikel über die Zusammenarbeit mit einem Gutachter.

Gutachter, mit denen wir arbeiten würden

  • Gregor Franke, Schiffbau-Ingenieur mit Schwerpunkt “Yachten”, der uns fantastisch als Berater unterstützt hat (und der immernoch für uns da ist, wenn Fragen auftauchen).
  • Frédéric Girard, Marine Claims Service Monaco, Capitaine de 1ère classe de la navigation maritime. Unser Mann in Frankreich – Empfohlen von Gregor Franke.
  • Adrián Prada, Ingeniero Naval. Empfohlen von MCS Spanien – hat uns leider kurzfristig abgesagt, macht aber einen sehr professionellen Eindruck.

Bücher zum Thema Bootskauf und Bootsbesichtigung

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