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Was darf eine gebrauchte Segelyacht noch kosten?

Zu welchem Preis wird ein bestimmter Bootstyp auf dem Markt gehandelt? Was ist das Boot objektiv noch wert? Welche Kosten fallen neben dem Kaufpreis an?

Das waren unsere brennendsten Fragen, als wir anfingen, nach einem passenden Schiff zu suchen. Mittlerweile haben wir darauf einige Antworten.

Hinweis: Die folgenden Tipps spiegeln nur unsere persönliche Erfahrung wider. Wir sind weder erfahrene Seebären, noch Juristen oder Bootsbauingenieure, und dies war unser erster Schiffskauf. Alle Angaben daher ohne Gewähr.

Was kostet eine 15 Jahre alte Großserienyacht?

In den gängigen Verkaufsportalen bekommt man einen ersten Überblick über die Preise gebrauchter Segelyachten. Zu welchem Preis ein Schiff aber am Ende tatsächlich den Besitzer wechselt, bleibt erstmal ein Geheimnis.

Tatsächliche Verkaufspreise

Ein schlauer Verkäufer wird immer einen Verhandlungsrahmen in den Preis mit einkalkulieren, den er in der Verkaufsanzeige angibt. Doch wie findet man heraus, zu welchem Preis ein Modell tatsächlich „über den Tisch geht“?

Verkaufspreise beim Makler erfragen

Die besten Informationen haben wir tatsächlich von den Maklern bekommen: Die kennen nicht nur ihre eigenen Verkaufspreise, sondern oft auch die von anderen Maklern.

Die großen Makler sind auch durchaus bereit, diese Informationen mit Kaufinteressenten zu teilen – schließlich ist es auch in ihrem Interesse, dass man ein realistisches Angebot abgibt, damit der Verkauf so schnell wie möglich zustande kommt.

Wir haben auf diese Weise für verschiedene Bootstypen die tatsächlichen Verkaufspreise aus den letzten zwei Jahren bekommen. Anhand dieser Daten konnten wir feststellen, dass die Preise in den Verkaufsportalen meistens 10-20% über den tatsächlichen Verkaufspreisen lagen.

Unterschiedliche Modellvarianten, unterschiedliche Preise

Manche Yachten gibt es in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten, die sich im Preis stark unterscheiden können.

Unser Lieblingsmodell, die Sun Odyssey 42 DS, wird selten unter 130.000 Euro angeboten. Daher stand auch das Schwestermodell, die Sun Odyssey 42i auf unserer Liste. Die ist zum Teil schon für 90.000 Euro in den Portalen zu finden.

Die beiden Yachten unterscheiden sich äußerlich nur im Decksaufbau. Der Rumpf ist bei beiden der gleiche. Die Sun Odyssey 42 DS (DS = Decksalon) wurde eher für den Eignermarkt gebaut, während die 42i auf den Chartermarkt abzielte.

Von der Sun Odyssey 42i gibt es auch nochmal verschiedene Varianten: eine Eignerversion mit zwei Kabinen und einer begehbaren Backskiste, eine 3-Kabinen-Variante, die oft als Charteryacht eingesetzt wird, und von beiden eine Performance-Version mit längerem Kiel und höherem Mast.

Charteryachten sind günstiger

Viele Gebrauchtyachten sind ehemalige Charteryachten und haben deshalb viele Kojen, zwei bis drei Bäder und vielleicht sogar eine Kabine mit Stockbetten. Als Eignerpaar, das nur sporadisch Gäste an Bord hat, wünscht man sich vielleicht eher eine große Koje achtern und einen gemütlichen Salon mit zwei Sofas. Die Eignerversionen der Großserienyachten sind aber auf dem Gebrauchtmarkt eher selten.

Zustand von Charteryachten

Charteryachten sind allerdings nicht nur aufgrund des großen Angebots und des weniger gefragten Layouts günstiger. Die Schiffe sind nach fünf bis zehn Jahren im Chartereinsatz meist in keinem besonders guten Zustand. Wir haben uns einige ehemalige Charteryachten angeschaut und waren geschockt, wie ungepflegt die Schiffe waren.

Dass ein (viel genutztes) Charterschiff stärkere Abnutzungsspuren hat, als eine (wenig genutzte) private Yacht, ist einzusehen. Dass aber in allen (!) Charterschiffen öliges Wasser sowohl in der Hauptbilge als auch in der Motorbilge stand und die Schiffe teilweise richtig heftige Schäden am Rigg und am Gelcoat hatten, zeigt, dass diese Schiffe echte Schindmähren sind. Für die (oft privaten) Eigner lohnt es sich scheinbar nicht, das Schiff in einem gepflegten Zustand zu halten.

Lohnt sich ein Charterschiff?

Der vermeintlich günstige Preis von Charterschiffen ist durchaus mit Vorsicht zu genießen. Wenn das Refit abgeschlossen ist, kann ein solches Schiff am Ende teurer sein, als eine Yacht aus privater Nutzung. Vor allem aber wird es sehr viel länger dauern, es wieder seetüchtig zu machen.

Verkaufspreise Sun Odyssey 42 DS und 42i

Die Sun Odyssey 42i wechselt nach unseren Informationen (2018-2020) im Mittel für 95.000 Euro den Besitzer, die Sun Odyssey 42 DS für 120.000 Euro. Sowohl nach oben, als auch nach unten, gibt es natürlich auch Ausreißer: Die billigste Sun Odyssey 42i auf unserer Liste ging für 63.000 Euro über den Tisch (ehemaliges Charterschiff), die teuerste Sun Odyssey 42 DS für 170.000 Euro.

Vom Käufermarkt zum Verkäufermarkt

Der Gebrauchtbootmarkt hat sich im Corona-Jahr 2020 vom Käufermarkt zum Verkäufermarkt gewandelt. Wie bei den Wohnmobilen ist die Nachfrage nach gebrauchten Booten extrem angestiegen. Dadurch, dass scheinbar viele Menschen bereit waren, unverhältnismäßig viel Geld für ein Schiff zu bezahlen, sind die Preise stark angestiegen. Ob das so weitergeht, bleibt abzuwarten – 2021 jedenfalls waren die Preise in den Anzeigen unverändert hoch.

Mehrwertsteuer

Leider kann man nicht bei jeder Anzeige erkennen, ob die EU-Mehrwertsteuer (korrekter: Umsatzsteuer) für ein Schiff bezahlt ist. Das Thema ist recht komplex, und ich werde im nächsten Artikel noch näher darauf eingehen. Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien kontrollieren scheinbar durchaus, ob ein EU-Mehrwertsteuernachweis vorliegt. Bevor irgendwelche verbindlichen Schritte wie Gutachten oder Vorvertrag unternommen werden, ist es sicherlich sinnvoll, sich den Nachweis vorlegen zu lassen.

Was ist eine gebrauchte Segelyacht objektiv noch wert?

Die Frage nach dem objektiven Restwert eines gebrauchten Gegenstandes ist schwierig zu beantworten. Wie lange hält GFK? Wie lange hält ein Motor? Eine Autopilotsteuerung? Finanzämter und Kaufcharter-Anbieter rechnen mit Abschreibungssätzen und Faustformeln. Auch davon haben wir bei unseren Recherchen einige gefunden.

Faustformeln

In unseren Beratungsgesprächen zum Thema Kaufcharter bzw. Yachtinvest haben wir einige Faustformeln zur Wertentwicklung von Segelyachten kennengelernt. Im Kaufcharter werden solche Faustformeln benutzt, um den voraussichtlichen Restwert am Ende der Charterlaufzeit zu ermitteln, für den das Schiff verkauft werden kann.

Die Faustformeln gehen davon aus, dass ein Schiff in den ersten drei Jahren den größten Wertverlust erleidet – etwa 25 bis 30 Prozent seines Neuwerts. Danach geht es langsamer weiter, erst mit fünf und später mit drei Prozent Wertverlust pro Jahr. Die meisten Anbieter gehen von einem Restwert von 50 bis 60 Prozent des Neupreises nach sechs bis sieben Jahren aus.

Die Tabellen der Vercharterer basieren auf Nettopreisen und hören nach 10 Jahren auf, da spätestens dann die Mehrwertsteuer bezahlt werden muss. Wenn man den prozentualen Wertverlust aber auf eine 15 Jahre alte Sun Odyssey 42 DS überträgt, die neu 185.000 Euro inkl. MwSt. gekostet hat (Komfortpreis aus dem Testbericht in der Yacht 1/2006), und nach dem zehnten Jahr mit 1% Wertverlust pro Jahr weiterrechnet, dürfte diese nur noch 79.550 Euro kosten.

Der kaufmännische Restwert

Bei einer gewerblich genutzten Segelyacht ist es außerdem ganz interessant, sich den Buchwert anzuschauen. In Deutschland wird eine Segelyacht im kommerziellen Einsatz über 20 Jahre linear abgeschrieben, also mit 5% pro Jahr (ohne Sonder-Afa oder IAB).

Nach dieser Rechnung dürfte eine 15 Jahre alte Sun Odyssey 42 DS, die neu 185.000 Euro inkl. MwSt. gekostet hat, nur noch 46.250 Euro inkl. MwSt. kosten (in der Realität wird natürlich mit Nettowerten abgeschrieben, aufgrund der Vergleichbarkeit der Zahlen, benutze ich hier aber die Bruttowerte).

Der technische Restwert

Auf der französischen Seite L’Argus du bateau gibt es einen Rechner, mit dem man den Restwert einer Segelyacht berechnen lassen kann. Diese Preise werden angeblich von einer Gruppe unabhängiger Gutachter berechnet und mehrmals im Jahr aktualisiert. Der jeweilige Wert basiert auf dem Neupreis ab Werft, ohne Optionen und Ausrüstung, und gilt für ein Boot in gutem Zustand. Für Boote, die über 10 Jahre alt sind, verändert sich der von Argus angegebene Preis nicht mehr.

Restwertberechnung am Beispiel einer Sun Odyssey 42 DS

Die Sun Odyssey 42 DS wird bei Argus du bateau mit 76.818 Euro angegeben. Aus dem Testbericht der Yacht wissen wir, dass die „Komfortausstattung“ damals etwa 20.000 Euro gekostet hat. Selbst wenn man für die Ausstattung einen Restwert von 10.000 Euro ansetzt, dürfte eine 15 Jahre alte Sun Odyssey 42 DS dann nicht mehr als 87.000 Euro kosten.

Wie genau sind die Faustformeln?

Die tatsächlichen Verkaufspreise richten sich derzeit leider nicht nach diesen Formeln. Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, findet sich schon jemand, der ein Schiff auch zu einem überhöhten Preis kauft.

Kaufnebenkosten

Der Kaufpreis ist eine Sache, aber bei jedem Bootskauf werden außerdem Kosten für Gutachten, Registrierung, Reparaturen und zusätzliche Ausrüstung anfallen, die das Budget schnell sprengen können.

Gutachten

Die Kosten für den Gutachter setzen sich zusammen aus dem Tagessatz des Gutachters, den Reisekosten (ggf. Flug, Mietwagen, Hotel) und der Erstellung des Berichts. Wir hätten am liebsten unseren deutschen Gutachter nach Spanien geschickt – das hätte aber, durch den pandemiebedingt ausgedünnten Flugplan, vier Tagessätze plus Reisekosten verschlungen.

Wir hatten einen spanischen Gutachter in Tarragona empfohlen bekommen, konnten aber nicht fest buchen, da wir abwarten mussten, bis die Verkäufer ihre Erbschaftsformalitäten abgeschlossen hatten. Bis das erledigt war, hatte dieser Gutachter leider abgesagt. Der einzige Gutachter, der dann noch kurzfristig verfügbar war, war zwar mit 1.200 Euro (inkl. Getriebe- und Motorölanalyse) der billigste, aber auch bei Gutachtern ist der billigste meist nicht der beste. Für einen ordentlichen Gutachter sollte man eher 1.800 Euro ansetzen.

Nebenkosten beim Gutachten

Da der Eigner verstorben war und auch von den Erben niemand vor Ort war, wurde das Schiff für das Gutachten von seinem Liegeplatz zum Trockendock hinüber geschleppt. Die Kosten von 54 Euro mussten wir übernehmen. Dazu kamen die Wäsche mit dem Hochdruckreiniger und zwei Tage im Trockendock. Das Waschen ist in Sant Carles mit 63 Euro sehr günstig – mancherorts kostet der Hochdruckreiniger 130 Euro und mehr.

Bankgebühren

Auslandsüberweisungen in einer Fremdwährung sind bei Banken oft sehr teuer. Wir haben daher Wise (damals noch TransferWise) benutzt und Gebühren in Höhe von 420 Euro gezahlt.

Währungsschwankungen

Die Verkäufer hatten auf einem Preis in Pfund Sterling bestanden, dem ich mit einigem Unwohlsein zugestimmt hatte. Der Brexit stand vor der Tür und keiner wusste, wie die Währungen darauf reagieren würden. Leider zog sich der Kaufprozess insgesamt über vier Monate hin, so dass das Schiff am Ende 3.000 Euro teurer war, als zu Beginn der Verhandlungen.

Kaufberatung

Anfangs hat uns das Thema Kaufcharter sehr interessiert. Da wir keine echten Erfahrungsberichte online finden konnten, haben wir uns beraten lassen. Bei unseren Schiffsbesichtigungen hat uns Gregor Franke Marine Consulting unterstützt. Zum Thema Beratung beim Schiffskauf gibt es einen eigenen Beitrag.

Makler, Anwalt, Notar

In den Mittelmeerländern teilt man sich oft die Kosten für den Makler mit dem Verkäufer. In Italien fallen z. B. 5% Maklerprovision an. Außerdem fallen in Italien Kosten für den Notar an, über den der Kauf abgewickelt werden muss.

Nimmt man sich für die Kaufabwicklung einen Fachanwalt für Schiff- und Wassersportrecht, kostet das bei erfolgreichem Abschluss ca. 2.500 Euro.

Überführung

Wenn das Schiff an einen anderen Liegeplatz überführt werden soll, muss man bei einer Strecke von 300 Seemeilen mit ungefähr 3.000 Euro rechnen, bei 1.400 Seemeilen mit etwa 5.500 Euro. Darin eingeschlossen sind die Heuer für eine zwei bis drei Personen Crew sowie Verpflegung und Reisekosten. Hinzu kommen Diesel und Marinagebühren. Ohne Verzögerungen durch Wetter oder technische Probleme schafft eine Profi-Crew druchschnittlich 100 Seemeilen am Tag.

Unterhaltskosten

Zum Kaufzeitpunkt fallen außerdem gleich einige wiederkehrende Unterhaltskosten an, wie Versicherungen und Liegeplatzgebühren.

Versicherungen

Mit der Übergabe des Schiffes geht das Schadensrisiko sofort an den neuen Eigner über. Manche Versicherungen gewähren dem neuen Eigner einer Yacht zwar noch Deckung für ein oder zwei Monate. Da wir jedoch nicht wussten, wo, und zu welchen Konditionen unser Voreigner das Schiff versichert hatte, wollten wir kein Risiko eingehen, und haben bei Pantaenius eine Haftpflicht und Kaskoversicherung für das Fahrtgebiet Mittelmeer abgeschlossen.

Wichtig: Versicherungsbeginn

Die Versicherung gilt üblicherweise erst ab 12:00 Uhr mittags des im Vertrag angegebenen Startdatums. Findet die Übergabe vormittags statt, sollte man hier sicherheitshalber den Tag vor der Übergabe eintragen – sonst ist das Schiff evtl. ein paar Stunden unversichert.

Pantaenius-Rabatt

Mitgliedern der Kreuzer-Abteilung des DSV gewährt Pantaenius einen Rabatt von 50% auf die Selbstbeteiligung im Schadensfall. Das ist in den ersten Jahren sicher nicht verkehrt, also haben wir für 46 Euro/Jahr eine Mitgliedschaft beim Club der Kreuzer-Abteilung abgeschlossen (wer bereits Mitglied in einem DSV-Verein ist, zahlt für die Zusatzmitgliedschaft in der Kreuzer-Abteilung nur 18 Euro/Jahr).

Für Mitglieder beim DMYV gibt es den gleichen Rabatt, allerdings muss man dafür in einem niedergelassenen DMYV-Verein Mitglied sein. Der Rabatt für die ortsungebundene Sportbootvereinigung im DMYV (um 10% reduzierte Jahresprämie) war für uns nicht so attraktiv wie der für Mitglieder der CKA (Halbierung der Selbstbeteiligung im Schadensfall).

Registrierung

Unser Schiff ist unter 15m lang, also mussten wir es nicht ins Schiffsregister eintragen. Wir hätten es freiwillig eintragen lassen können, aber die Kosten dafür wären mit 500 Euro um einiges höher gewesen, als für die Kombination aus Flaggenzertifikat (Erneuerung alle acht Jahre für 88 Euro) und Internationalem Bootsschein (Erneuerung alle zwei Jahre für 20 Euro für Mitglieder eines DSV-Clubs).

Funklizenz

Da ein Schiff dieser Größe eine Seefunkanlage an Bord hat, mussten wir bei der Bundesnetzagentur eine Lizenz für deren Betrieb beantragen (Ship Station License). Mit der Lizenz bekommt man ein Rufzeichen und, wenn man eine Seefunkanlage mit DSC (Digital Selective Call) betreibt, eine MMSI.

Funklizenz vom Voreigner übernehmen

Wenn das Schiff vor dem Kauf im selben Land registriert war, kann man die MMSI und das Rufzeichen normalerweise übernehmen. Wenn das Schiff im Ausland registriert war, braucht man eine neue „Ship Station License“, denn jedes Land hat seine eigene MMSI Nummernserie. Da unser Schiff vorher in England registriert war, konnten wir die alte Nummer leider nicht übernehmen.

Geräte umprogrammieren

Die neue MMSI muss dann in die Seefunkanlage, das AIS und das EPRIB einprogrammiert werden. Bei neuen Geräten kann man das selbst einprogrammieren – für jede weitere Änderung muss man das Gerät in der Regel einschicken.

Liegeplatz

Die meisten (wenn nicht alle) Liegeplatzverträge laufen von April bis März. Da wir das Schiff im März gekauft hatten, war die Gebühr von 3.000 Euro für das Folgejahr sofort fällig. Der Liegeplatz in Sant Carles ist ungewöhnlich günstig, da er einem Privatmann gehört, der ihn untervermietet.

Dort müssen wir allerdings Ende März 2022 raus. Obwohl das Schiff seit 2013 auf diesem Platz liegt, hat uns die Marina kurz nach dem Kauf mitgeteilt, dass unser Schiff für den Liegeplatz zu lang sei. Diese Geschichte erzähle ich ausführlicher an anderer Stelle.

Instandhaltungskosten

Je nachdem, in welchem Zustand das Schiff ist, können weitere Kosten hinzukommen, bevor man in See stechen kann. Kauft man das Schiff am Anfang oder Ende der Saison, oder ist es einige Jahre nicht bewegt worden, braucht es mindestens einen Antifouling-Anstrich und neue Anoden. Vielleicht ist auch die Rettungsinsel reif für die nächste Wartung, oder das EPIRB braucht eine neue Batterie.

Wenn man viel selbst macht und Zeit hat, kann man natürlich einige Kosten einsparen. Da ich derzeit noch ortsgebunden arbeite, mussten wir die meisten Arbeiten leider beauftragen.

Wartungsarbeiten

Unser Schiff war fast zwei Jahre nicht gewartet worden. Wir mussten das Antifouling erneuern, ein neues Wellenlager einbauen und neue Anoden anbringen. Da das Schiff in Spanien liegt, konnten wir nicht einfach mal schnell an ein paar verlängerten Wochenenden hin fahren, um die Arbeiten selbst zu erledigen, sondern mussten die Arbeiten beauftragen.

Ausrüstung und Material

Man glaubt nicht, was alles an Ausrüstung und Material zusammen kommt: Handfunkgerät, Handscheinwerfer, Feuerlöscher, Motoröl, Getriebeöl, Dieselfilter, Kühlerfrostschutz, Motor-Service-Kit, Schmierfett, Wasserschlauch, Sicherungsgeschirr, Ruckdämpfer, Kugelfender, Strecktaue, Funk-Headsets, Tauwerk, Klapphocker, Werkzeuge, Ersatzteile und anderer Kleinkram haben sich am Ende auf 4.000 Euro geläppert.

Reparaturen

Unser Gutachter hat leider nicht alle Schäden am Boot entdeckt. Seit dem Kauf sind noch einige Schäden aufgefallen, unter anderem an Wassersammler, Dieseltank, Frischwasserpumpe, Rodkicker, Rollanlage und UKW-Antenne.

Refit: Was muss bei einer 15 Jahre alten Yacht erneuert werden?

Bei einer 15 Jahre alten Segelyacht muss man damit rechnen, dass mittelfristig einige größere Erneuerungen anfallen, wenn diese nicht bereits vom Voreigner erneuert wurden.

Vor allem bei ehemaligen Charteryachten wird man wohl die Polster und Matratzen erneuern wollen. Die Segel sind vielleicht noch in Ordnung – die werden bei Charteryachten in der Regel alle fünf Jahre erneuert. Das Rigg gilt allgemein nach 15 Jahren als ermüdet, und wird von den Versicherungen dann oft von der Deckung ausgeschlossen.

Wir haben für einige Posten schon mal Kostenschätzungen eingeholt, und werden die Tabelle weiter aktualisieren, wenn uns neue Informationen vorliegen.

Refit (42-Fuß-Segelyacht)

Rumpf-Kiel-Verbindung

Auch die Rumpf-Kiel-Verbindung sollte man auf dem Schirm haben. Bei unserem Schiff ist beim letzten Kranen ein Stück der Dichtungsmasse zwischen Rumpf und Kiel herausgebrochen. An der Stelle rostet der Kiel, und wir wissen nicht, wie weit der Rest der Verbindung auch bereits Feuchtigkeit gezogen hat.

Um zu verhindern, dass die Kielbolzen von unten durchrosten, müssen wir vermutlich den Kiel abnehmen und neu abdichten lassen. Davor muss der Kiel sandgestrahlt und mit Epoxy behandelt werden, damit er nicht gleich wieder rostet.

Wie lange hält ein Motor?

Der Motor ist bei jeder gebrauchten Yacht ein Überraschungsei – man weiß leider nicht, wie es innen ausschaut, bis man ihn zerlegt. Das ist aber wegen des damit verbundenen Aufwands und hoher Kosten nicht sinnvoll.

Bei einem Charterschiff wird der Motor oft nicht gerade schonend behandelt und es kommen pro Saison viele Motorstunden zusammen. Ein privat genutztes Schiff hat vielleicht weniger Betriebsstunden, dafür aber wahrscheinlich längere Standzeiten. Beides kann die Lebensdauer des Motors verkürzen. Welcher Motor in einem besseren Zustand ist, kann man nicht sagen.

Wir kennen Dieselmotoren von Autos und Landmaschinen die schon 15.000 Stunden auf dem Buckel haben und immer noch einwandfrei laufen. Bei Bootsdieseln hört man alles Mögliche von maximal 5.000 Stunden bis hin zu 9.000 Stunden bis die erste Revision fällig wird. Was dran ist, können wir nicht sagen.

Letztendlich muss man sich vielleicht darauf einstellen, dass sich der Motor nach 15 Jahren jederzeit verabschieden kann – und hoffen, dass er am Ende doch 25 oder 30 Jahre durchhält.

Karten, Apps und Törnführer

Neben einem NV Atlas für die spanische Küste und einigen Hafenhandbüchern, haben wir die Mittelmeerkarte für die Navionics Boating App abonniert und diverse Wetter-Apps ausprobiert (Windy, Windy.app, PredictWind, WeatherTrack GRIB).

Kosten im 1. Jahr

Insgesamt sind bei uns bisher (Stand 31.01.2022) diese Kosten zusätzlich zum Kaufpreis angefallen (gerundet, in Euro):

Kaufnebenkosten

Unterhaltskosten

Instandhaltunskosten

Reparaturen und Material

Fazit

Zu welchem Preis ein bestimmter Schiffstyp den Besitzer wechselt, wird leider vor allem von Angebot und Nachfrage bestimmt – nicht vom objektiven Restwert des Schiffes.

Für einen realistischen Preisvergleich müsste man alle Kosten zusammenrechnen, die für ein umfassendes Refit anfallen würden, und diese zum Kaufpreis hinzu addieren. Erst dann kann man diesen mit anderen Gebrauchtbooten oder auch einer neuen Yacht vergleichen.

Der Preisunterschied zu einer neuen Yacht sollte dann noch so groß sein, dass sich die Nachteile eines alten Rumpfs und abgenutzter Innenausstattung im Vergleich rechnen.

Neben dem Kaufpreis ist es sicherlich nicht schlecht, im ersten Jahr etwa 15.000 Euro für zusätzliche Ausgaben auf die Seite zu legen – wenn das Schiff in einem guten Zustand ist, sonst entsprechend mehr.

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