Steg mit Booten

Was kostet ein Liegeplatz in der Adria?

Aktuell liegt unser Schiff in einer Marina in Spanien. Nach dem Kauf hatten wir erstmal den Liegeplatz unseres Voreigners übernommen.

Als Dauerlösung ist uns Spanien aber zu weit, und die aktuelle Marina hat darüber hinaus keine gute Verkehrsanbindung. Langfristig wollten wir das Schiff in die nördliche Adria verlegen. Dazu mussten wir aber erstmal einen Liegeplatz finden.

Diese Kriterien sollte unser Liegeplatz erfüllen

  • Lage: Nördliche Adria
  • Schiffslänge: ca. 13m
  • Schiffsbreite: 4,13m
  • Tiefgang: 2,13m
  • Mietdauer: Jahresliegeplatz
  • Art des Liegeplatzes: Sommer im Wasser, Winter an Land
  • Sonstiges: Arbeiten am Schiff durch den Eigner möglich

Lage

Wir möchten das Schiff so nah wie möglich an unserem Wohnort liegen haben. Die Erfahrung mit der Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Flugreisen komplizierter sind als eine Anreise mit dem Auto, und je weniger Grenzen man dabei überqueren muss, desto besser. Wir wohnen kurz vor der österreichischen Grenze, also haben wir nach einem Liegeplatz in der nördlichen Adria gesucht.

Größe

Unsere Sun Odyssey 42 DS hat, laut Papieren, eine Rumpflänge von 12,59m, die Gesamtlänge ist mit 12,93m angegeben. Der Geräteträger steht ein paar Zentimeter hinten über, so dass sie etwas über 13 Meter lang ist. Genau gesehen fallen wir damit in die Längenkategorie „bis 14 Meter“. Wenn wir Glück haben, lässt man uns bei den paar Zentimetern aber noch in die Kateogrie „bis 13 Meter“.

Tiefgang

Bei vielen Marinas in Norditalien, vor allem in der Lagune von Marano, ist außerdem der Tiefgang relevant. In der Lagune erreicht man die Marinas oft nur durch flache Kanäle, die leicht versanden und immer wieder ausgebaggert werden müssen. Aber auch anderswo in Italien kann man mit einem Tiefgang von mehr als zwei Metern Probleme haben: Manche Marinas sind scheinbar von Haus aus nur für Motorboote gebaut, und das Hafenbecken ist entsprechend flach.

Mooring oder Dalbenbox

In der Adria gibt es verschiedene Arten von Liegeplätzen: Wasserliegeplätze, meist in Form von Dalbenboxen oder Moorings, seltener auch Schwimmstegen, und Landliegeplätze, bei denen das Schiff nach jedem Törn aus dem Wasser genommen und aufgebockt wird.

Dalbenboxen sind vor allem in Italien und Slowenien verbreitet. In Kroatien gibt es meistens Moorings, hin und wieder auch Schwimmstege. In Dalbenboxen wird das Schiff entweder mit dem Heck am Steg und mit dem Bug an Holzpflöcken (Dalben) festgemacht, oder umgekehrt. Bei Moorings hängen statt der Dalben lange Leinen im Wasser, die man heranzieht und an den Bugklampen festmacht. An Schwimmstegen macht man wahlweise am Heck oder Bug und seitlich fest.

Bei Moorings wird der Preis in der Regel nach der Länge des Schiffs berechnet. Anbauten wie Geräteträger, Davits und Bugspriet werden mitgerechnet. Die Preise sind in Stufen von einem Meter gestaffelt. So gilt z. B. eine Preisstufe für Schiffe bis 12 Meter, die nächste für Schiffe bis 13 Meter und so weiter. Katamarane zahlen den 1,5-fachen Preis.

Bei Dalbenboxen und Schwimmstegen richtet sich der Preis nach Länge und Breite der gemieteten Box. Manchmal gibt es aber nicht für jeden Meter Länge eine entsprechende Box. Einige Marinas haben z. B. Boxen für Schiffe bis 12 Meter und die nächst größere Box ist dann schon für Schiffe bis 15 Meter – und entsprechend viel teurer.

Das größere Problem ist bei neueren Schiffen aber die Breite: Die meisten Marinas mit Boxen in den 80er Jahren gebaut worden, als Segelyachten im Verhältnis zur Länge viel schmaler waren als heute. Eine Box, die von der Länge her passen würde, ist daher oft zu schmal. So muss man manchmal schon wegen der Breite eine größere Box nehmen.

Außerdem muss man bei der Breite der Box berücksichtigen, dass diese von Dalbenmitte zu Dalbenmitte gemessen wird. Ein Dalben hat einen Durchmesser von ca. 25cm, also ist bei einer Box von 4,50m Breite nur etwa 4,25m Platz zwischen den Dalben.

Anekdote aus dem echten Leben: Schiff nach acht Jahren plötzlich zu lang

Jede Marina hat das Recht, nachzumessen, wie lang das Schiff tatsächlich ist. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da man mit einem Lot messen müsste, was den meisten zu umständlich sein dürfte. Viele Marinas gewähren daher eine inoffizielle Toleranz bis zu der sie Schiffe für eine bestimmte Liegeplatzgröße zulassen. Darauf kann man sich aber nicht verlassen – auch nicht, wenn man ein Schiff samt Liegeplatz übernimmt.

Unser Voreigner hatte unseren aktuellen Liegeplatz, einen Schwimmsteg der Größe 12m x 4,16m, im Jahr 2013 von einem Privatinvestor gemietet. Den Geräteträger hat er 2015 installieren lassen. Nachdem wir den Vertrag mit dem Privatinvestor nach dem Kauf des Schiffes verlängert hatten, kam die Geschäftsführung der Marina auf uns zu und sagte, wir müssten entweder den Geräteträger abbauen, oder auf die nächste Liegeplatzgröße umziehen (15m x 4,70m, Mehrkosten pro Jahr: etwa 2.500 Euro). Sie hätten nachgemessen und unser Schiff sei mit dem Geräteträger 13,20m lang.

Wir haben später mit Lot nachgemessen und sind auf etwa 13,05m gekommen, aber darum geht es nicht. Natürlich hat die Marina das Recht, ein Schiff, das zu lang ist, auf einen anderen Liegeplatz zu verweisen. Nach Aussagen anderer Eigner war in der Marina immer eine Toleranz von 10% üblich. Von dieser Regelung scheint die Marinaleitung jetzt wegkommen zu wollen. Was auch immer die Gründe für diese Gesinnungsänderung sind – es ist ein Beispiel dafür, dass man immer damit rechnen muss, dass Ausnahmeregelungen wieder zurückgezogen werden.

Mietdauer

Solange ich noch ortsgebunden arbeiten muss, brauchen wir auch im Sommer einen festen Liegeplatz. Ab 2023 wollen wir von April bis Oktober unterwegs sein, und brauchen dann nur noch einen Winterliegeplatz.

Arbeiten am Schiff erlaubt

Bei der Wahl der Marina war uns außerdem wichtig, dass wir selbst an unserem Boot arbeiten dürfen. Das ist nicht in jeder Marina möglich.

Nebenkosten

Neben dem Preis für den Liegeplatz selbst, können folgende Nebenkosten anfallen:

  • Strom und Wasser,
  • Kranbenutzung,
  • Rumpfwäsche mit dem Hochdruckreiniger,
  • Lagerbock für den Landliegeplatz

Liegeplatzpreise in der Adria

Wer in der Adria verhältnismäßig preiswert liegen will, muss Abstriche machen. Die am schönsten gelegenen Marinas sind natürlich auch die teuersten. Diese befinden sich vor allem an der Küste rund um den Golf von Triest und in der Nähe der Kornaten. Die günstigeren liegen innerhalb der Laguna di Marano, oder am Fluss Corno, der von Norden her in die Lagune mündet.

Slowenien

In Slowenien gibt es in jedem der größeren Küstenorte eine Marina: Koper, Izola, Portoroz und Piran. Koper ist am günstigsten mit einem Grundpreis von 5.508 Euro für ein Schiff unserer Größe, mit nur 68 Liegeplätzen aber auch sehr klein. In Izola sind wir dann schon bei 6.203 Euro, in Portoroz bei 8.000 Euro. In Piran haben wir nicht gefragt, aber wo ein kurzes Anlegen tagsüber schon mit 15 Euro zu Buche schlägt, wird der Jahresliegeplatz nicht billig sein.

Kroatien

Die kroatischen Marinas sind leider allesamt keine Schnäppchen. Nach unseren Recherchen liegen die meisten zwischen umgerechnet 5.500 und 6.000 Euro. Eine der günstigeren ist die ACI Marina Pula mit 4.624 Euro, eine der teuersten die ACI Marina Rovinj mit 8.300 Euro für einen 13m Jahresliegeplatz.

Als wir 2018 einmal dort waren, hatte uns die Marina Punat auf der Insel Krk sehr gut gefallen, und damals waren die Liegeplätze auch noch bezahlbar. Inzwischen ist aber auch diese Marina so beliebt, dass sie die Preiskategorie „Basic“ gestrichen hat, und nur noch Premium-Liegeplätze anbietet – knapp 6.500 Euro für 12,0m bis 12,99m.

Italien

In Italien haben wir die Marinas um den Golf von Triest und die Laguna di Marano angeschrieben. Im Gegensatz zu den slowenischen und kroatischen Marinas veröffentlichen nur wenige italienische Marinas ihre Preise im Internet. Die Recherche war daher sehr mühevoll, noch dazu haben nicht alle auf die erste E-Mail reagiert. Die meisten dieser Marinas sind zwar im Netzwerk der FVG-Marinas zusammengeschlossen, eine zentrale Preisauskunft haben wir hier aber nicht bekommen.

Preistabelle

Unsere engere Wahl

Von dieser Liste kamen nur wenige Marinas in Frage, die wir uns dann auch persönlich angeschaut haben:

  • Cantieri Marina San Giorgio
  • Marina Punta Gabbiani
  • Marina Capo Nord
  • Cantieri di Aprilia

Keine der vier Marinas liegt direkt am Meer. Die Marina San Giorgio liegt am Fluss Corno, der nach vier Seemeilen in die Laguna di Marano mündet. Bis aufs offene Meer ist man eine Stunde unterwegs. Die anderen drei Marinas liegen in Aprilia Marittima, am Westufer der Laguna di Marano.

Von Aprilia Marittima fährt man durch den Canale Coron in die Lagune, und dann zwischen Lignano und der Isola di Martignano aufs Meer hinaus. Die Kanäle versanden oft – Yachten mit größerem Tiefgang können dann auf Grund laufen. Zwar ist der Grund aus Sand und Schlick bei langsamer Fahrt wohl nicht sehr gefährlich, aber wenn man festsitzt, muss man erstmal wieder loskommen.

Unser Schiff hat einen Tiefgang von 2,13m, was zur Zeit schwierig werden könnte. Während der Corona-Pandemie sind viel weniger Schiffe durch die Kanäle gefahren, weshalb diese noch schneller versanden. Im Februar 2022 soll der Canale Coron ausgebaggert werden.

Cantieri Marina San Giorgio

Die Marina San Giorgio ist fest in österreichisch/deutscher Hand und gefühlt die Hälfte aller dort liegenden Yachten sind Sunbeams. Uns persönlich war die Atmosphäre dort etwas zu schickimicki, aber wer darauf steht, findet dort vermutlich eine gut geführte Marina. Unser Eindruck von den Anlagen war sehr positiv. Sehr gut hat uns außerdem gefallen, dass der Preis für das Winterlager an Land im Preis für den Wasserliegeplatz inbegriffen ist.

Marina Punta Gabbiani

Die Marina Punta Gabbiani ist die südlichste der drei Marinas in Aprilia Marittima. Sie ist auch die teuerste, was man auch an den Autos sieht, die auf dem Parkplatz der Marina stehen. Auch hier geht es etwas schicker zu.

Ein großer Teil der Landliegeplätze ist in vier Reihen in Form eines Viertelkreises angeordnet. Es gibt zwei Swimmingpools, ein Restaurant und eine Bar und eine Ladestation für Elektroautos. Im näheren Umkreis gibt es noch weitere Bars und Restaurants, alle eher auf der teuren Seite.

Marina Capo Nord

In der Marina Capo Nord geht es etwas entspannter zu, als in San Giorgio und Punta Gabbiani. Es gibt 650 Liegeplätze an Betonstegen mit Dalben, ein Schwimmbad, einen großen Parkplatz, der im Sommer mit Planen überdacht ist und einen separaten Stellplatz für Wohnmobile und Bootstrailer. Im Laguna Palace Resort nebenan gibt es ein Café mit Terrasse. Zum Ortszentrum mit Geschäften und weiteren Bars und Restaurants muss man eineinhalb Kilometer um eine Wohnanlage mit privaten Anlegeplätzen herumfahren.

Die Architektur der Rezeption und Wirtschaftsgebäude erinnern an die bunten 80er Jahre, aber die Einrichtungen scheinen alle auf dem aktuellen Stand zu sein. Nur bei den Kellerräumen unter dem Swimmingpool liegt wohl ein Bauschaden vor, da hier überall Wasser hereinläuft. Außer Gegenständen aus Kunststoff kann man hier nichts unterbringen, da es entweder rosten oder schimmeln würde.

In der Marina Capo Nord gibt es ausschließlich Wasserliegeplätze. Wer sein Schiff über den Winter an Land stellen möchte, bekommt in der Partnermarina Cantieri di Aprilia den Winterliegeplatz zum halben Preis. Über die Aprilia Card bekommen Eigner, die ihr Schiff in der Marina Capo Nord liegen haben, weitere Vergünstigungen.

Cantieri di Aprilia

Die Cantieri di Aprilia ist eine große Trockenmarina. Die Stege sind hier etwas wackelig anmutende Stahlgerüste, keine Betonstege, wie in der Marina Punta Gabbiani. Trotzdem gibt es am Steg Strom und Wasser. Im Oktober findet hier die Gebrauchtbootmesse Nautilia statt, weshalb im ganzen Monat Oktober keine Kranbewegungen für Bootseigner durchgeführt werden. Wer einen Winterliegeplatz gebucht hat, muss entweder Ende September kranen lassen, oder erst im November.

Die sanitären Einrichtungen sind sehr einfach, aber sauber.

Unser Liegeplatz für die Saison 2022/23

Nachdem wir uns diese vier Marinas angeschaut hatten, haben wir uns für die Marina Capo Nord entschieden. Preislich liegt sie im Mittelfeld und in der dazugehörigen Trockenmarina Cantieri di Aprilia bekommen wir den Winterliegeplatz zum halben Preis. Dieser Rabatt ist für uns ein wichtiges Argument, da wir das Schiff im Winter ein halbes Jahr an Land stellen wollen, damit der Rumpf abtrocknen kann. Im Frühjahr 2023 stehen sehr wahrscheinlich größere Sanierungsarbeiten an Rumpf und Kiel an.

Der Umzug ist aktuell für April geplant. Wenn nichts dazwischen kommt, werden wir Mitte Mai unseren neuen Liegeplatz beziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

dreizehn + 8 =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

nach oben scrollen