Viele ähnlich aussehende Segelyachten

Welche Segelyacht passt zu uns?

Es gibt eine Menge schöner Segelyachten, aber welche zu uns passt, mussten wir erst herausfinden. Wie groß soll sie sein? Welcher Schiffstyp kommt in Frage? Ist ein neues Schiff besser als ein altes?

Die ideale Segelyacht gibt es natürlich nicht – es kommt immer darauf an, was man vor hat: für Tagestörns haben andere Dinge Priorität als für eine Rundung von Kap-Hoorn. Wir suchen zwar ein langfahrttaugliches Schiff, für uns heißt „Langfahrt“ aber erstmal nur, dass wir mehrere Monate am Stück (vielleicht sogar ganzjährig), auf dem Schiff leben wollen, und nicht nur ab und zu mal für ein bis zwei Wochen.

Wie groß soll unser Schiff sein?

Bei der Länge waren wir uns anfangs unsicher. Da ich nur Jollen kannte, kam mir schon eine Bavaria 37 Cruiser riesig vor. Im Inneren fand ich es allerdings grenzwertig – vor allem in den Kojen. Für mich fühlte es sich klaustrophobisch an und mein Mann mit seinen kaputten Gelenken hatte Mühe sich umzudrehen.

Auch im Salon ist es unter 42 Fuß recht eng. Da wir auf dem Schiff leben wollen, werden wir auch bei schlechtem Wetter mal beide unter Deck sein. Das Schiff muss groß genug sein, dass wir Platz zum arbeiten haben, ohne uns gegenseitig im Weg zu sein. Wir müssen uns auch mal aus dem Weg gehen können, also wären zwei gemütliche Räume unter Deck ideal. Außerdem wollen wir uns im Alltag nicht ständig verrenken oder irgendwo hindurch quetschen müssen.

Bei den Segelyachten mit einer Rumpflänge von 11-12 Metern haben nur zwei Modelle geräumigere Achterkammern – beide mit großer Achterkoje quer zur Fahrtrichtung:

Die 12-13-Meter-Klasse ist unter Deck und auch im Cockpit sehr geräumig. Die Kopffreiheit in den Kojen ist allerdings noch nicht viel besser als in der 11-Meter-Klasse. Immerhin haben wir vier Modelle gefunden, die achtern keine Standardkojen haben, und dadurch mehr Kopffreiheit und einen bequemeren Einstieg:

Die meisten Mittelcockpityachten haben ebenfalls große Achterkammern, zum Teil sogar in Stehhöhe. Ein Mittelcockpit kommt für uns allerdings wegen des kleinen Cockpits und der Kletterei über das Heck nicht in Frage (siehe „Cockpit“).

Ab 45 Fuß werden die Achterkojen langsam geräumiger, und ab dieser Länge hat oft auch die Vorschiffskoje eine nutzbare Größe.

Unser Revier

Das Revier spielt eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, welche Eigenschaften Priorität haben: Wir wollen anfangs erst einmal das Mittelmeer erkunden und werden die Winter vermutlich daheim verbringen. Vielleicht wagen wir irgendwann auch mal den Sprung über den Atlantik und bleiben ein paar Jahre in der Karibik. Ob wir dann auch noch durch den Panamakanal in die Südsee segeln, hängt davon ab, wie fit wir dann noch sind und wie sich die Welt verändert. In jedem Fall werden wir aber die berühmten 80% vor Anker liegen. Auch für dieses Vorhaben wären der Katamaran oder moderne, breite Segelyacht ab 45 Fuß ideal. Für das Nordmeer oder den Southern Ocean wären eine Ovni, Reincke oder Hallberg-Rassy sicherlich besser geeignet.

Eignung für kleine Crews

Mit entsprechender Technik kann man natürlich auch große Schiffe zu zweit oder alleine segeln, aber wenn die mal versagt, wird es ab 45 Fuß aufwärts schon anstrengend. Je größer das Schiff, desto größer z. B. die Segelfläche, und desto schwerer die Segel. Selbst auf 42 Fuß, mit ca. 40 Quadratmetern Segelfläche, geht mir das Setzen eines klassischen Großsegels ganz schön in die Arme. Auch Polierarbeiten und das jährliche Antifouling werden mit jedem Quadratmeter, den man schleifen und streichen muss, anstrengender. Für uns wäre daher bei etwa 46 Fuß Schluss – wir wollen ja schließlich auch in zehn Jahren noch entspannt segeln können.

Kosten

Für die Anschaffung hatten wir uns ein Budget von maximal 110.000 Euro vorgenommen – inklusive notwendiger Reparaturen und Neuanschaffungen. Spätestens hier scheiden der Katamaran und die 45-Fuß-Yacht für uns aus. Aber nicht nur die Anschaffungskosten, sondern vor allem die Marina- und Befahrungsgebühren wären dann im Mittelmeer zu hoch. Für die Karibik und die Südsee sind wären die 45 Fuß vielleicht weniger problematisch, da man dort nicht unbedingt auf Marinas angewiesen ist. Solange wir im Mittelmeer unterwegs sind, werden wir im Winter jedoch in einer Marina liegen müssen. Auch bei Instandhaltung und Reparaturen ist ein kleineres Schiff von Vorteil: weniger Liter Antifouling, weniger Quadratmeter Segel, kleinere Winschen, kürzerer Mast etc.

Nach der Betrachtung der Kosten haben wir für uns die Grenze bei 43 Fuß gezogen (etwas über 13m).

Preis

Für unser Budget bekommt man entweder ein kleines neues Schiff, oder ein großes älteres. Eine 45-Fuß-Segelyacht aus der Großserie ist bei diesem Preis derzeit 15 bis 20 Jahre alt, eine 42-Fuß-Yacht 10 bis 15 Jahre – je nach Zustand und Beliebtheit des Modells. Eine 42-Fuß Hallberg-Rassy wäre bei einem Preis von 100.000 Euro 30 bis 40 Jahre Jahre alt.

Liegeplatzgebühren

Je länger das Schiff, desto höher die Liegeplatzgebühren. Da wir vorerst noch auf einen Jahresliegeplatz angewiesen sind, und das Mittelmeer diesbezüglich nicht gerade billig ist, gab es für uns in der Länge eine Kostenbremse bei etwa 13 Metern Gesamtlänge (inkl. Anbauten wie Bugspriet, Ankerrolle oder Davits). Die Breite sollte man bei dieser Länge allerdings auch im Auge behalten, da manche Liegeplätze auch in der Breite eingeschränkt sind. Sind Dalben vorhanden, wird die Breite meist von Dalbenmitte zu Dalbenmitte angegeben. Ein Liegeplatz, der mit 4,50m Breite angegeben ist, hat effektiv also eher eine Breite von 4,25m. Die tatsächliche Breite kann sich aber auch innerhalb einer Marina und Liegeplatzkategorie unterscheiden – daher am besten vorher nachfragen.

Ein Jahresliegeplatz für ein Schiff dieser Größe kostet aktuell (2021) zwischen 4.500 Euro und 8.000 Euro, wobei vor allem Ligurien, die Toskana und Dalmatien zu den hochpreisigen Revieren gehören. Dazu kommen Krankosten, Kosten für die Reinigung vom Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger und einige Tage an Land für Antifouling und andere Wartungsarbeiten (nochmal 1.000 Euro).

Groß- oder Kleinserie?

Wir haben immer wieder gehört, dass eine Großserienyacht für die Langfahrt ungeeignet sei. Wir wollten wissen, warum das so ist – da doch scheinbar sehr viele Großserienyachten um die Welt fahren und andere viele Jahre unter brutalsten Charterbedingungen aushalten. Also haben wir uns die Argumente angehört und daraus unsere eigenen Schlüsse gezogen.

Qualität

Eine Yacht, die in kleinen Serien gebaut wird, wie Hallberg-Rassy oder Sirius, hat in der Regel eine dickeres Laminat als eine Yacht, die in Großserie produziert wird, und ist vermutlich insgesamt stabiler gebaut. Die Anbauteile stammen zwar von den gleichen Herstellern, HR & Co. dürften aber eher zu den hochwertigeren Teilen im Produktsortiment greifen. Das entsprechende Teil hält dann ggf. nicht so lange und muss ein paar Jahre früher ausgetauscht werden.

Stärken Kleinserie

Die Kleinserien werden in Ländern und für Reviere gebaut, in denen die Anforderungen an die Rumpfstabilität entsprechend hoch sind: Die Schären Skandinaviens (häufige Grundberührungen) und die hohe Breiten des Nordens mit viel Wind und Welle (starke Beanspruchung von Rumpf und Rigg) sowie kurzen Sommern (Badeplattform nebensächlich, Schutz vor überkommenden Wellen und gute Isolierung ist wichtiger). Wer in diesen Revieren segeln will, ist mit einem solchen Schiff sicherlich am besten bedient. Vorausgesetzt, man hat das nötige Budget, denn diese Yachten kosten auch im Alter von 30 Jahren noch eine Stange Geld.

Stärken Großserie

Großserienyachten sind für den Massenmarkt und Schönwetterreviere gebaut: Hier liegt der Schwerpunkt auf dem erschwinglichen Preis und Komfort beim Ankern und im Hafen. Das Leben spielt sich hauptsächlich im Cockpit ab, das Segeln spielt eine sehr viel kleinere Rolle, als im Norden. Der Wind ist meistens schwach (Mittelmeer), kommt von hinten (Barfußroute) oder wenigstens längere Zeit aus der gleichen Richtung (Karibik). Natürlich sind auch diese Yachten hochseetauglich, aber vielleicht weniger auf Dauerbelastung von Rumpf und Rigg ausgelegt. Ein bequemes, geräumiges Cockpit, stylisches Erscheinungsbild und ein günstiger Preis sind wichtiger.

Rumpf und Kiel

Wegen des größeren Wohnkomforts, hatten wir uns schon zu Anfang auf einen modernen Rumpf mit breitem Heck festgelegt. Trotzdem haben wir uns angeschaut, mit welchen Nachteilen wir uns diesen Komfort erkaufen.

Die zwei wichtigsten Erkenntnisse für uns waren folgende:

  • Ein Schiff ist immer ein Kompromiss aus Sicherheit, Geschwindigkeit, Wendigkeit, Komfort beim Segeln und Komfort vor Anker.
  • Von einer einzelnen Eigenschaft lässt sich noch kein Rückschluss auf das Gesamtverhalten einer Segelyacht ziehen.

Was wohl allgemein Gültigkeit hat: Ein schlanker Rumpf mit Langkiel hat eine geringere Anfangsstabilität, kentert also früher, als ein breiter Rumpf. Dafür richtet er sich auch aus einer Kielobenschwimmlage wieder von alleine auf. Der breite Rumpf kentert zwar später, bleibt dann aber kieloben liegen (siehe auch Rolf Dreyer, Kapitel Stabilität, S. 182-183).

Auch andere Rumpfeigenschaften, wie Bug- und Heckform haben bestimmte Auswirkungen auf das Segelverhalten eines Bootes. Die Werften versuchen aber immer, den unerwünschten Eigenschaften mit wieder anderen baulichen Maßnahmen entgegenzusteuern. Letztendlich hängen die Segeleigenschaften einer Yacht von der Kombination vieler einzelner Komponenten ab. Der Durchschnittssegler kann wohl allenfalls Vermutungen darüber anstellen, welche Segeleigenschaften eine Yacht aufgrund bestimmter baulicher Eigenschaften hat, wenn er es nicht selber ausprobiert hat.

Als grobe Richtlinie können die Eigenschaften natürlich trotzdem dienen. Hier eine Übersicht aus den Ergebnissen unserer Recherchen:

Langkiel

  • Wenig Krängung durch größeren Lateralplan (=Widerstand) unter Wasser
  • Sehr kursstabil: Treibt nicht so schnell ab, muss weniger aktiv gesteuert werden (gut bei Sturm auf See, schlecht beim Manövrieren im Hafen)

Kurzkiel

  • Weniger Kursstabil: Gefahr des Querschlagens höher als beim Langkieler, muss aktiver gesegelt werden (anstrengend bei Sturm, aber sehr manövrierfähig im Hafen)

Schmale Rumpfform (S-Spant)

  • Krängt stärker und rollt mehr als ein Schiff breitem Rumpf
  • Kentert später, da größere Endstabilität (ca. 90°)
  • Richtet sich auch nach Durchkentern von alleine wieder auf, da größerer Stabilitätsumfang (ca. 170°-180°)
  • Weicheres Einsetzen in die Wellen
  • Stütz- und Haltemöglichkeiten sind durch den schmalen Rumpf näher beieinander
  • Weniger Wohnraum im Cockpit und unter Deck

Breite Rumpfform (Rundspant, U-Spant)

  • Krängt weniger, durch hohe Anfangsstabilität
  • Kentert früher, durch geringere Endstabilität (ca. 50°-60°)
  • Richtet sich aus kopfüber Lage nicht von selbst wieder auf, da geringerer Stabilitätsumfang (ca. 120°-130°)
  • Viel Wohnraum im Cockpit und unter Deck
  • Bei Badeplattform: Leichter Zustieg über das Heck

Bugform

  • Schmal und spitz: größere auf und ab Bewegungen, weicheres Einsetzen in die Welle
  • Breit: kleinere auf und ab Bewegungen, härteres Aufsetzten auf der Welle
  • Oben breit, unten schmal: Geringe auf und ab Bewegung, weiches Eintauchen

Ruder: Wie wichtig ist ein Skeg?

Langfahrtseglern wird oft empfohlen, ein Schiff mit einem Skeg-geschützten Ruder zu kaufen, da man auf hoher See mit Containern, Baumstämmen, oder schlafenden Walen kollidieren könne.

Die meisten Container gehen zwar sofort unter, aber es dürften trotzdem einige Tausend Container unter der Wasseroberfläche durch die Meere dümpeln. Ein kaputtes Ruder ist bei einer Kollision mit einem Container aber wohl das geringste Problem – eine Kollision mit ein paar Tonnen Eisen dürfte bei sechs Knoten Fahrt ein schönes Loch in einen GFK-Rumpf reißen.

Ein schwimmender Holzstamm, der scheinbar weit häufiger vorkommt als ein Container, würde angeblich erstmal vom Kiel nach unten gedrückt. Bis er dann wieder aufschwimmt, ist er schon am Ruder vorbei. Wie groß die Gefahr einer Kollisionen mit einem Wal ist, bzw. wie oft ein Ruder dadurch beschädigt wurde, scheint bisher noch unklar zu sein.

Mit Skeg würde ich mich auf hoher See wahrscheinlich sicherer fühlen, aber solche Ruder findet man nur noch bei sehr alten Schiffen. Jüngere Segelyachten haben allenfalls noch im oberen Bereich ein Skeg – die meisten haben frei hängende Spatenruder, die einem Schlag von vorn ungeschützt ausgeliefert sind. Uns hat das anfangs etwas verunsichert, aber nachdem selbst Hallberg-Rassy mittlerweile bei allen Modellen Spatenruder verbaut, wird das Risiko vielleicht so groß nicht sein. Irgendein Notruder sollte bei Ozeanpassagen aber vielleicht schon an Bord sein – z. B. in Form einer Windfahnensteuerung.

Rumpf-Kiel-Verbindung

Die Rumpf-Kiel-Verbindung scheint uns der größere Schwachpunkt einer Yacht zu sein. Bei Großserienyachten ist der Kiel meist ein schmaler Kurzkiel mit Bombe, der mit Maschinenschrauben oder Gewindestangen am Rumpf befestigt ist. Eine heftigere Grundberührung oder Kollision führt oft dazu, dass das Laminat vor dem Kiel nach unten gezogen und hinter dem Kiel nach innen gedrückt wird. Dann muss oft die komplette Bodengruppe neu laminiert werden, was sehr teuer werden kann. Etwas weniger Schaden entsteht anscheinend bei Flossenkielen, die an einen Kielstummel angebolzt werden.

Was passt zu uns?

Würden wir in abenteuerlicheren Revieren segeln, hätten wir nach einem älteren Schiff aus der Kleinserie geschaut – mit Skeg vor dem Ruder und integriertem Kiel, dickem Rumpflaminat und hochwertigen Anbauteilen. Für unser Revier, unsere Bedürfnisse und unseren Geldbeutel ist aber eine Großserienyacht genau das Richtige. Selbst wenn wir irgendwann auf der Barfußroute um die Welt fahren sollten, wird sie das, bei entsprechender Pflege, bestimmt mitmachen. Wer ein größeres Budget hat, kann sich ja mal die Hallberg-Rassy 400 anschauen.

Was wir nach einigen Besichtigungen ausgeschlossen haben, sind ehemalige Regatta- und Charteryachten. Mag sein, dass es auch hier Ausnahmen gibt, aber in der Regel sind beide stark beansprucht und im Fall der Charteryachten meist auch nur mit Minimalaufwand instand gehalten worden.

Cockpit

In warmen Revieren spielt sich der Alltag hauptsächlich im Cockpit ab. Deshalb ist uns ein geräumiges Cockpit wichtig, in dem man gleich gut arbeiten, faulenzen, schlafen und essen kann.

Mittel- oder Achtercockpit?

Beim Mittelcockpit sitzt man geschützter als in einem Achtercockpit, denn das Cockpit ist rundherum von einem hohen Süll umgeben. Das Deck verläuft rund um diese Cockpit-Insel herum. In Revieren mit viel Welle, hohen Windgeschwindigkeiten und auf langen Ozeanpassagen ist ein Mittelcockpit daher sicherlich sehr angenehm und vermittelt ein sicheres Gefühl. Da wir mindestens einmal am Tag ins Wasser oder ins Dinghi hüpfen werden, und da im Mittelmeerraum meistens mit dem Heck zu Steg angelegt wird, möchten wir über das Heck bequem ins Cockpit steigen können.

Mittelcockpit gegen Seekrankheit?

Wie der Name schon sagt, sitzt das Mittelcockpit weiter in der Mitte des Bootes – nicht ganz in der Mitte, aber sehr viel weiter vorne, als im Achtercockpit. Möglicherweise ist das bei Seekrankheit angenehmer, da die auf und ab Bewegungen weniger stark wahrgenommen werden – wir haben allerdings auch schon gehört, dass die Bewegungen um die Längsachse des Schiffs, durch die höhere Lage des Cockpits über der Wasserlinie, stärker wahrgenommen werden, was bei Seekrankheit scheinbar sehr unangenehm ist. Wieder so ein Fall, den man selbst ausprobieren muss…

Enges Cockpit, geräumige Achterkammer

Moderne Mittelcockpit-Yachten gibt es zwar auch mit Badeplattform – trotzdem muss man über das Süll steigen, um ins Cockpit zu gelangen. Bei älteren Yachten ist das Heck hoch und steil, und jeder Gang vom Wasser oder Steg ins Cockpit ist eine Kletterpartie. Im Mittelcockpit ist im Vergleich zum Achtercockpit außerdem wenig Platz. Die Sitzbänke sind erst bei Schiffen ab etwa 50 Fuß lang genug, um sich darauf auszustrecken. Dafür ist bei Mittelcockpit-Yachten unter dem Cockpit Platz für eine große Achterkammer mit Stehhöhe.

Modelle mit Mittelcockpit

Viele Werften aus dem höheren Preissegment, wie Hallberg-Rassy, Oyster, Najad oder Sunbeam, produzieren hauptsächlich (oder sogar ausschließlich) Fahrtenyachten mit Mittelcockpit. Aber auch von Großserienwerften gibt es Mittelcockpit-Yachten, wie die Bavaria Ocean Serie, die Océanis CC (Center Cockpit) von Bénéteau oder die Jeanneau Sun Odyssey CC.

Doppelter oder einzelner Steuerstand?

Durch die breiteren Hecks können (oder müssen) heute auch Fahrtenyachten unter 50 Fuß mit zwei Steuerständen ausgestattet werden. Das sorgt für viel Platz im Cockpit, freie Sicht nach vorn und unbehinderten Durchgang von der Badeplattform zum Niedergang. Bei Schiffen unter 45 Fuß läuft die Steuerung beider Räder auf ein einzelnes Ruder. Erst ab 45 Fuß werden die Rümpfe so breit, dass eine Doppelruderanlage nötig wird.

Cockpit mit Doppelsteuerstand
Kein Steuerrad versperrt den Weg nach vorn

Ein Doppelsteuerstand hat auch Nachteile: Die Sitzbänke werden in der Länge von den Steuerkonsolen begrenzt, so dass sie kürzer ausfallen, als auf einem gleich langen Schiff mit einzelnem Steuerstand. Außerdem ist die Großschot bei Schiffen mit zwei Steuerständen meist auf dem Kajütdach angeschlagen, wo sie für Steuermann oder -frau schwer zu erreichen ist. Aber es gibt ja gücklichwerweise den Autopiloten.

Doppelsteuerstände werden auf Yachten unter 45 Fuß erst seit etwa 15 bis 20 Jahren verbaut. Seit 2010 haben fast alle Großserienyachten zwei Steuerstände, deshalb hier nur die jeweils ersten Modelle der vier großen Werften:

Lange Cockpitbänke

Da wir auch mal draußen schlafen möchten, sollten die Cockpitbänke so lang sein, dass wir bequem darauf liegen können. Dafür sind zwei Steuerstände eher ein Nachteil, da die Steuerkonsolen die Länge der Sitzbänke beschränken. Wir haben bei unseren Besichtigungen ausprobiert, wie lang die Cockpitbänke sein müssen, damit wir uns hinlegen können, ohne die Beine zu stark anzuwinkeln.

Dabei haben wir festgestellt, dass die Sitzbänke bei den meisten 40-Fuß-Yachten dafür etwas knapp bemessen sind. Wir sind 1,74m und 1,76m groß, und die Sitzbänke der Sun Odyssey 39i und Océanis 40 sind etwa 1,60m lang. Man möchte nicht glauben, dass vier Zentimeter einen großen Unterschied machen, aber die Bänke der Sun Odyssey 42i fanden wir mit 1,64m viel bequemer. Die Bavaria 40 und 41 Cruiser scheinen längere und tiefere Bänke zu haben als die Franzosen, hier haben wir aber (noch) nicht nachgemessen. 

Salon und Pantry

Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir keine Längspantry haben wollen.

Eine gewinkelte Pantry hat den Vorteil, dass man sich gut einspreizen kann, wenn es auf dem Wasser etwas heftiger zugeht. Bei Längspantrys gibt es gegenüber der Hauptsitzecke meist nur eine kurze Bank mit recht steiler Rückenlehne – zum längeren Sitzen ist das nicht wirklich bequem.

Schiffe mit L-, C- oder U-förmige Pantry haben meistens ein zweites Sofa gegenüber der Hauptsitzgruppe. Ich finde das macht den Salon irgendwie gemütlicher. Mit zwei Sofas können wir uns außerdem beide im Salon hinlegen, ohne den Tisch absenken zu müssen.

Modelle um 42 Fuß mit gewinkelter Pantry und zwei Sofas:

Wieviele Kabinen?

Großserienyachten um die 42 Fuß gibt es mit zwei, drei oder vier Kabinen. Wenn man nicht vor hat, Kojencharter anzubieten, braucht man aber als Paar nicht so viele Schlafmöglichkeiten. Uns ist eine zwei-Kabinen-Version am liebsten, da bei den „Kabinenbombern“ für die zusätzlichen Kojen meist die Navigationsecke, und die separate Dusche im Bad geopfert wird. Leider werden zwei-Kabinen-Modelle jedoch sehr viel seltener angeboten als solche mit drei, vier oder fünf Kabinen, was wohl vor allem daran liegt, dass die meisten Gebrauchtyachten im Mittelmeer ehemalige Charteryachten sind.

Vorteile bei zwei Kabinen

Zwei-Kabinen-Modelle haben entweder eine große Achterkammer mit zentral platziertem Bett, oder eine leicht vergrößerte Koje an Steuerbord und eine große Backskiste an Backbord. Diese Backskiste ist meist sowohl vom Cockpit, als auch von innen zugänglich. Im Vergleich zur drei-Kabinen-Variante ist das achterliche Bad größer und hat oft eine abgetrennte Dusche.

Modelle um 42 Fuß, die es als zwei-Kabinen-Version gibt:

Welche Segelyacht passt am besten zu uns?

In Summe ergeben sich für unser „Traumschiff“ folgende Kriterien:

  • CE-Kategorie A (Hochsee)
  • Geräumige Kojen
  • Möglichkeiten zum Festhalten vorhanden oder nachrüstbar
  • Geräumiges Cockpit
  • Leichter Zustieg über das Heck
  • Sitzbänke im Cockpit lang genug um bequem zu liegen
  • Einhand und zu zweit leicht zu segeln
  • Separater Tisch oder vollwertige Navigationsecke zum Arbeiten unter Deck
  • Gemütliche Kabinen mit einfachem Zustieg in die Kojen
  • Liegemöglichkeit für zwei Personen im Salon
  • Anschaffungskosten unter 110.000 Euro

Wenn wir alle Kriterien zusammennehmen, bleiben nur zwei Modelle übrig, die wirklich gut zu uns passen:

Leider gibt es die Zwei-Kabinen-Variante der Océanis 43 nicht sehr oft, und die Sun Odyssey 42 DS ist sehr teuer. Also haben wir als Alternative auch noch die Sun Odyssey 42i mit auf die Liste genommen. Als Charterschiff gibt es diese sehr oft – dann ist sie aber oft auch in einem desolaten Zustand.

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